Weltfrauentag

Margaret Hamilton: Die Frau, ohne die es die Mondlandung nie gegeben hätte

Informatikerin und Mathematikerin Margaret Hamilton entwickelte die Software, die 1969 die Mondlandung möglich machte.

Margaret H. Hamilton, eine wegweisende Informatikerin und ehemalige Leiterin der Software Engineering Division am Instrumentation Laboratory des MIT, die die Entwicklung der Flugsoftware für NASAs Apollo-Mondmissionen leitete, nachdem sie im Weißen Haus am 22. November 2016 in Washington, D.C., mit der Presidential Medal of Freedom ausgezeichnet wurde.
Margaret H. Hamilton, eine wegweisende Informatikerin und ehemalige Leiterin der Software Engineering Division am Instrumentation Laboratory des MIT, die die Entwicklung der Flugsoftware für NASAs Apollo-Mondmissionen leitete, nachdem sie im Weißen Haus am 22. November 2016 in Washington, D.C., mit der Presidential Medal of Freedom ausgezeichnet wurde. Foto: IMAGO / ZUMA Press
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Anlässlich des Weltfrauentages am 08. März haben wir uns vorgenommen, in unserer Rubrik „wunderbarECHT“ den Frauen einen Platz bei uns zu geben, deren Geschichte uns besonders beeinflusste. Zum Glück habe ich in meinem Alltag viele Frauen kennengelernt, die mich prägen, mich inspirieren, mich ermutigen, mich beflügeln und mich beeindrucken.

Nichtsdestotrotz hinterließ die Lebensgeschichte von Margaret Hamilton (89) einen bleibenden Eindruck bei mir. Nicht zuletzt, weil sie mich einfach fassungslos macht. Denn Margaret Hamilton ist eine Pionierin der Softwareentwicklung, noch bevor es den Begriff, so wie wir ihn heute verstehen, überhaupt gab. Sie entwickelte die Apollo-Flugsoftware mit Lochstreifen aus Papier, schrieb den Code in Nullen und Einsen, machte den Flug zum Mond nicht nur möglich, sie rettete die Mondlandung und stellte sicher, dass die Astronauten wohlbehalten zurückkehren konnten.

Dennoch: Ihr Name ist den meisten Menschen nicht bekannt. Es macht mich vor allem wütend, dass Frauen, die entscheidende Beiträge zur Wissenschaft geleistet haben, großzügig aus den Geschichtsbüchern ausradiert wurden. Gleichzeitig zeigt mir Margaret Hamiltons Lebensweg, dass es selbst gegen große Widerstände möglich ist, sich durch Talent und das Vertrauen in die eigenen Fähigkeiten zu behaupten.

Der Matilda-Effekt: Wie Frauen aus der Geschichte gelöscht wurden

Margaret Hamilton: Die Pionierin der Softwareentwicklung

In der Raumfahrtabteilung der NASA leitete Margaret Hamilton ein Team, das die Software für die legendäre Apollo-Mission entwickeln sollte. Der Haken? Diese Software gab es bis dahin schlichtweg nicht und das Fach „Software Engineering“ existierte damals genauso wenig. In den 60er-Jahren war „Software Engineering“ technologisches Neuland, dessen Anwendung viele für nahezu unmöglich hielten und Hamilton deshalb belächelten.

Das liegt daran, dass die technischen Voraussetzungen aus heutiger Sicht kaum vorstellbar waren. Die Computer an Bord verfügten über eine verschwindend geringe Rechenleistung im Vergleich zur heutigen Technologie. An genau diesem Punkt zeigte sich Hamiltons außergewöhnliches Talent. Gerade unter diesen Bedingungen schuf Hamilton mit ihrem Team etwas Revolutionäres. Ein System, das sich selbst überwachte und eine reibungslose Kommunikation zwischen Hardware, Software und den Astronauten sicherstellte.

Wer sich jetzt eine Margaret Hamilton vorstellt, die in die Tasten ihres Laptops einen Code eintippt, der irrt gewaltig. In den 1960er-Jahren sah Softwareentwicklung nämlich ganz anders aus. Hamilton programmierte direkt im Binärcode (also ausschließlich mit Nullen und Einsen).

Das bedeutet, dass jede einzelne Information per Hand in einen sogenannten Lochstreifen gestanzt werden musste. Dabei handelt es sich um einen langen Papierstreifen, durchzogen von kleinen Öffnungen. Kein Loch stand für eine Null, ein Loch stand für eine Eins. Heraus kamen Berge an Papier. Für den Einsatz in der Raumfahrt wurde dieses Prinzip später auf robustere Datenträger übertragen, die den extremen Bedingungen im All standhalten konnten.

Margaret Hamilton rettete die Apollo-11-Mission

Der 20. Juli 1969 ging als Tag der ersten Mondlandung in die Geschichte ein – doch der Erfolg stand auf Messers Schneide. Als sich Neil Armstrong, Buzz Aldrin und Michael Collins in der Apollo 11 der Mondoberfläche näherten, spielte plötzlich der Bordcomputer verrückt. Warnlichter blinkten, Fehlermeldungen häuften sich. Im Kontrollzentrum auf der Erde und im Raumschiff selbst stieg die Anspannung ins Unermessliche. Für einen Augenblick schien alles auf der Kippe.

Dann jedoch griff ein entscheidender Schutzmechanismus. Eine Notfallfunktion in der Software, die unwichtige Aufgaben automatisch zurückstellte und den Fokus auf die sichere Landung legte. Genau dieses „Sicherheitsnetz“ hatte Margaret Hamilton mit ihrem Team programmiert, obwohl die NASA anfangs gar nicht von seiner Notwendigkeit überzeugt gewesen war.

Damit ermöglichte Hamilton nicht nur den Mondflug, ihr ist es auch zu verdanken, dass die Astronauten sicher landen und zurückkehren konnten.

„Dass die Mondlandung stattfinden konnte und dass Armstrong und Aldrin dann wirklich auch sicher gelandet sind nach den ganzen Fehlermeldungen, das liegt vor allem an Margaret Hamilton“
Demian Nahuel Goos, Mathematiker

Margaret Hamilton prägte während der Apollo-Missionen den Begriff „Software Engineering“ maßgeblich. Zu einer Zeit, in der Softwareentwicklung noch längst nicht als eigenständige oder ernstzunehmende Ingenieursdisziplin anerkannt war. Erst Jahrzehnte (50 Jahre!) später, im Jahr 2016, wurde sie im Weißen Haus geehrt. Der damalige Präsident Barack Obama verlieh ihr die Presidential Medal of Freedom, eine der höchsten Auszeichnungen der USA. Warum wir Margaret Hamilton gerade heute mehr denn je feiern sollten? Weil sie bewiesen hat, dass Wissenschaft und Technologie keine Frage von Geschlecht oder Herkunft sind, sondern allen offenstehen, die den Mut haben, neue Wege zu gehen.

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