Seine Anwältin gibt nicht auf

Ein Pflegeheim für das „Keller-Monster“ – darf Josef Fritzl auf Gnade hoffen?

Der berüchtigte Inzest-Täter Josef Fritzl steht erneut im Fokus: Seine Anwältin setzt alles daran, ihm einen Platz in einem Pflegeheim zu verschaffen – trotz seiner grausamen Vergangenheit.

Der berüchtigte Inzest-Täter Josef Fritzl
Josef Fritzl nach seiner Festnahme im Jahr 2008. Foto: IMAGO / ABACAPRESS
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Kaum ein Name sorgt in Österreich noch heute für so viel Entsetzen wie Josef Fritzl. Der inzwischen 90-jährige Straftäter, der seine Tochter über Jahrzehnte im Keller gefangen hielt, ist alt, krank und geistig stark abgebaut. Doch seine Anwältin Astrid Wagner gibt nicht auf: Sie will erreichen, dass ihr Mandant die letzten Jahre seines Lebens nicht hinter Gittern, sondern in einem Pflegeheim verbringt.

„Ich habe ihm das Versprechen gegeben, dass er die letzten Jahre in Freiheit verbringen kann. Dieses Versprechen werde ich halten“, erklärt Wagner. Ein Heim im Osten Österreichs soll sich bereits bereit erklärt haben, den dementen Mann aufzunehmen – doch bis dahin ist der Weg noch lang.

Hoffnung auf einen Neuanfang im Alter

Seit seiner Verlegung aus dem Maßnahmenvollzug im Mai 2024 sitzt Fritzl im sogenannten Normalvollzug der Justizanstalt Stein in Niederösterreich. Zwar wurde eine vorzeitige Entlassung zuletzt abgelehnt, doch Wagner hat Beschwerde eingelegt. Sie fordert, dass ihr Mandant endlich auf ein Leben außerhalb des Gefängnisses vorbereitet wird.

Nach Jahrzehnten in Haft sei es laut der Juristin entscheidend, dass Fritzl wieder einfache soziale Abläufe erlernt – etwa, wie man sich in einem Café verhält oder den Kontakt zu anderen Menschen pflegt. „Es braucht entlassungsfördernde Maßnahmen, sonst ist eine Wiedereingliederung gar nicht möglich“, betont Wagner.

Die Anwältin sieht den hohen medizinischen Pflegebedarf ihres Mandanten als Hauptargument. Fritzl leide an fortschreitender Demenz und habe nur noch eingeschränkte Orientierung. In einem Pflegeheim könne er ärztlich betreut und menschlich versorgt werden – eine Situation, die aus Wagners Sicht „sowohl humaner als auch realistischer“ sei als der Verbleib in der Zelle.

Ein verwirrter alter Mann – oder noch immer gefährlich?

Wagners Darstellung zufolge verliert Fritzl zunehmend den Bezug zur Realität. Er soll befürchten, in die Mongolei abgeschoben zu werden, und bilde sich ein, mit Politikern wie Donald Trump über den Fernseher zu sprechen. In Momenten der Klarheit erinnere er sich zwar an seine Verbrechen, doch der geistige Abbau schreite rasch voran.

Ein aktuelles psychiatrisches Gutachten soll bestätigen, dass von ihm keine Gefahr mehr für andere ausgeht. Dennoch zögert die Justiz – auch, weil der Fall Fritzl nach wie vor ein Symbol für unfassbares Leid und menschliche Abgründe ist. Seine mögliche Entlassung würde eine landesweite Debatte auslösen: über Gnade, Schuld und Verantwortung.

Das unfassbare Verbrechen, das alles veränderte

1984 sperrte Fritzl seine damals 18-jährige Tochter in ein Kellerverlies unter seinem Haus in Amstetten. Fast 24 Jahre lang hielt er sie dort gefangen, missbrauchte sie tausendfach und zeugte mit ihr sieben Kinder. Eines davon starb kurz nach der Geburt – eine Tat, die ihm zusätzlich eine Mordanklage einbrachte. Erst 2008 wurde der Albtraum entdeckt, 2009 erhielt Fritzl eine lebenslange Freiheitsstrafe.

Seitdem lebt der Mann, der einst als kontrollierend und berechnend galt, isoliert in Haft. Nun, im hohen Alter, will seine Anwältin ihm einen „würdigen Lebensabend“ ermöglichen. Für viele Menschen in Österreich ist das jedoch kaum zu ertragen – zu tief sitzt das Entsetzen über das, was er seiner eigenen Familie angetan hat.

„Er weiß, dass er seine Familie zerstört hat“

Rein juristisch hätte Fritzl die Möglichkeit, nach 15 Jahren Haft auf Bewährung freizukommen. Doch bei einem Täter dieser Dimension ist die Lage komplizierter. Seine Anwältin pocht auf die Gleichbehandlung vor dem Gesetz, während viele Opfervertreter und Bürgerinnen fassungslos reagieren.

Wagner betont, ihr Mandant habe sich verändert, zeige Reue und weine, wenn er über seine Taten spreche. „Er weiß, dass er seine Familie zerstört hat“, sagt sie. Die Juristin hofft, dass die Gesellschaft eines Tages lernen könne, zu erkennen, dass auch Menschen wie er sich verändern – eine Haltung, die für viele nur schwer nachvollziehbar ist.

Quellen