Precision-Deal bei „Die Höhle der Löwen“: Nicht alle sind vom Milch-Ersatz überzeugt
Ein Deal mit Frank Thelen, eine klare Vision und eine Menge Aufsehen: Precision räumte bei „Die Höhle der Löwen“ ab. Doch nicht jedem gefällt die Milchalternative.
Mit ihrer Idee wollten Dr. Fabio Labriola (48), Philipp von Plato (49) und Malte Zeeck (49) aus München nichts weniger als eine Revolution in der Milchbranche auslösen. Ihr Unternehmen Precision verfolgt eine klare Mission: eine Milch zu entwickeln, die aussieht, schäumt und schmeckt wie echte Kuhmilch, aber fast vollständig ohne Tier auskommt.
Das Ergebnis ihrer Forschung ist beeindruckend: Die Milchalternative besteht zu 97 Prozent aus pflanzlichen Inhaltsstoffen, enthält 70 Prozent weniger Zucker als klassische Kuhmilch und ist reich an Vitaminen, Mineralstoffen und präbiotischen Ballaststoffen – was sogar die Darmgesundheit fördern soll. Hinter dieser Hightech-Milch steckt moderne Präzisionsfermentation, eine Technologie, die auch in der Lebensmittelindustrie als Zukunftstrend gilt.
Mit geballter Gründererfahrung – unter anderem durch erfolgreiche Firmen wie Westwing, fashionette und InterNations – betrat das Trio die Bühne von „Die Höhle der Löwen“, um 500.000 Euro für acht Prozent der Firmenanteile zu erhalten.
Ein Deal zwischen Spannung und Strategie
In der Sendung trafen die Gründer auf ein starkes Löwenrudel: Judith Williams, Janna Ensthaler, Ralf Dümmel, Frank Thelen und Gastlöwe Christian Miele. Die Vision von Precision überzeugte alle – doch als es um die Bewertung und den Markteintritt ging, zeigten sich schnell unterschiedliche Ansichten.
Frank Thelen lobte das technische Potenzial und sagte selbstbewusst: „Wenn jemand dieses Produkt groß machen kann, dann bin ich es.“
Janna Ensthaler, die sich im Bereich nachhaltiger Lebensmittel bestens auskennt, konterte: „Ich habe die tiefere Expertise im Bereich Präzisionsfermentation – das ist mein Edge.“
Was folgte, war einer der intensivsten Schlagabtausche der Staffel. Thelen bot 500.000 Euro für 12 Prozent, Ensthaler legte mit 15 Prozent nach. Die Gründer hielten dagegen: 500.000 Euro für 10 Prozent – allerdings mit einem Meilenstein im Vertrag.
Doch Thelen zeigte sich skeptisch. Er wolle, so erklärte er, mögliche Investoren selbst anrufen und sie von seinen Konditionen überzeugen. Ensthaler fühlte sich übergangen, die Stimmung wurde emotional. Nach einem weiteren Beratungsgang entschieden sich die Gründer schließlich für Frank Thelen – ohne Meilenstein, dafür aber mit Thelens Konditionen: 500.000 Euro für 12 Prozent.
Der Deal stand – und Thelen erhielt eines der spannendsten Food-Tech-Projekte der Staffel.
Wie es nach der Show weiterging
Nach der Ausstrahlung nahm Precision® richtig Fahrt auf. Im eigenen Onlineshop ist die innovative Milchalternative problemlos erhältlich, und das Interesse ist groß – sowohl von Konsumentinnen und Konsumenten als auch aus der Lebensmittelbranche. Die Gründer setzen weiterhin auf ihre wissenschaftliche Expertise und auf die Vision, Milch künftig nachhaltiger und gesünder zu machen.
An einer Version ganz ohne Kuhmilch wird bereits gearbeitet und auch eine Kooperation mit Edeka steht in den Startlöchern. Doch nicht alle lassen sich vom Precision-Hype anstecken ...
„Natürlichkeit ist besser!“
Zweifellos steckt hinter Precision ein wichtiger Gedanke, der bei vielen einen Nerv trifft – aber nicht bei allen. In den Kommentarspalten von Facebook und Instagram finden sich viele Beiträge von Personen, die Precision zwar nie probiert haben, es aber auch nicht vorhaben. So heißt es dort etwa „Ich verstehe nicht, warum soll man keine natürliche Milch mehr trinken, meine Meinung: Natürlichkeit ist besser als Industrie-Milch“ oder „In dieses Milch-Ersatz-Zeugs hätte keiner investieren sollen“.
Auch der verhältnismäßig hohe Preis – zumindest im Vergleich mit regulärer Kuhmilch – und die Inhaltsstoffe werden kritisiert: „32g Kohlenhydrate, 12g Zucker und 400kcal und dann fast 3 Euro pro Liter für eine Fake 'Milch'“ (im Onlineshop sind es tatsächlich 2,29 Euro pro Liter).
Doch auf diesen Einwand hat Precision selbst schon geantwortet. Das Unternehmen schreibt: „Wir nennen es lieber Innovation als 'Fake': Precision hat 70 % weniger Zucker als Kuhmilch, ist laktose- und cholesterinfrei, bringt Ballaststoffe, extra Calcium und Vitamin D – und schmeckt dabei so gut wie Milch. Also nicht weniger, sondern mehr drin – nur eben anders gedacht.“








