Re-Shirt nach „Die Höhle der Löwen“: Das wurde aus der abwaschbaren T-Shirt-Farbe
Ein Shirt mit passendem Print zu jedem Anlass: Erstmal eine schöne Idee, doch danach verschwindet das Shirt meist im Schrank. Re-Shirt will das ändern!
Ein T-Shirt, das nur für einen Abend „existiert“ und danach wieder ein schlichtes Basic ist: Mit Re-Shirt wollten Anna Hadzelek (36) und Emmy Schumacher (36) in „Die Höhle der Löwen“ zeigen, wie sich Event-Mode und Kreislaufwirtschaft versöhnen lassen. Ihre Idee: eine Textildruckfarbe, die sich komplett auswaschen lässt – und damit aus Wegwerf-Shirts echte Mehrwegteile macht.
Ein Print, der wieder verschwindet
Schon der erste Satz ihres Pitches bleibt hängen: „Ein T-Shirt-Aufdruck, der nach dem Waschen einfach wieder verschwindet.“ Genau das ist der Kern von Re-Shirt. Die Gründerinnen haben eine weltweit einzigartige Textildruckfarbe entwickelt, die auf Basis natürlicher Rohstoffe formuliert ist und sich in einer ganz normalen 40-Grad-Wäsche rückstandslos aus dem Stoff lösen soll.
Gedacht ist die Farbe für all die Anlässe, an denen Shirts heute noch als Einwegartikel enden: Firmenläufe, Messen, Abifeiern, Festivals, Junggesellenabschiede. Einmal tragen, danach wandert das Oberteil in den Schrank – aber ohne peinlichen Motto-Spruch oder veraltetes Event-Logo. „So werden Einweg-T-Shirts zu echten Kreislaufprodukten“, erklären Anna und Emmy.
Ihr Geschäftsmodell setzt klar auf B2B-Kundschaft: Unternehmen, Agenturen, Veranstalter, aber auch Vereine und Teams, die entweder temporär bedruckte Shirts mieten oder kaufen können. Nach dem Event kann die Farbe ausgewaschen werden, das Textil bleibt in Nutzung – entweder im Kleiderschrank der Mitarbeitenden oder im Re-Shirt-Kreislauf für weitere Einsätze.
Die Löwen zwischen Neugier und Skepsis
In der Höhle treffen die beiden Münchnerinnen auf Dagmar Wöhrl, Judith Williams, Janna Ensthaler, Carsten Maschmeyer und Ralf Dümmel. Ihr Angebot: 350.000 Euro für 15 Prozent der Firmenanteile – eine Bewertung, die zu Diskussionen einlädt.
Janna Ensthaler steigt vergleichsweise früh aus. Für sie ist die Idee „zu klein gedacht“: Re-Shirt konzentriert sich stark auf temporäre Event-Shirts, während sie noch ungenutztes Potenzial in anderen Textilbereichen sieht. Ralf Dümmel lobt die Idee und nimmt die bis dato überschaubaren Umsätze nicht übel, empfindet die Bewertung aber als zu hoch – auch er verzichtet.
Dagmar Wöhrl wird mit den Gründerinnen nicht richtig warm und steigt aus, Carsten Maschmeyer wiederum bezeichnet es als „abgehoben“, eine abwaschbare Farbe als großes Ding zu verkaufen – aus seiner Sicht reicht die Technologie nicht für die geforderte Summe. So bleibt am Ende nur Judith Williams übrig.
Sie sieht zwar den Charme der Innovation, findet aber, Anna und Emmy hätten „nicht weit genug gedacht“ und brächten zu wenig Businesserfahrung mit, um das Thema im großen Stil auszurollen. Judith steigt ebenfalls aus. Re-Shirt verlässt die Höhle ohne Deal.
Vom Löwen-Nein zur internationalen Übernahme
Während „kein Deal“ im TV schnell wie ein Endpunkt wirkt, war es für Re-Shirt eher ein Doppelpunkt. Seit Januar 2026 gehört das Start-up zum finnischen Textilunternehmen Pure Waste, das sich auf langlebige, ressourcenschonende Kleidung aus recycelten Fasern spezialisiert hat.
Pure Waste produziert Shirts und andere Textilien aus 100 Prozent recycelten Materialien und will ihre Lebensdauer maximal verlängern. Re-Shirts Technologie – inzwischen unter dem Namen „Magic Ink“ – passt perfekt in diese Strategie: Drucke verschwinden bei 40 Grad in der Waschmaschine, das Kleidungsstück bleibt unverändert und kann weitergetragen oder neu bedruckt werden.
Damit adressieren Re-Shirt und Pure Waste eines der größten Probleme im Promo- und Eventbereich: Textilien werden nicht wegen ihrer Qualität, sondern wegen des schnell veralteten Aufdrucks entsorgt. Mit Magic Ink lässt sich der Slogan entfernen, das Shirt bleibt – ein Baustein für kreislauffähige, gedruckte Textilien.
Wie Re-Shirt heute weitermacht
Unter dem Dach von Pure Waste bleibt der Kern von Re-Shirt erhalten. Über die Website werden weiterhin Shirts mit wasserlöslichen Prints für Unternehmen angeboten – wahlweise in Kombination mit permanenten Logos, bei denen etwa das Firmenlogo bleibt, die Event-Botschaft aber wieder verschwindet.
Spannend ist vor allem der nächste Schritt: Ab dem 4. Quartal 2026 soll „Magic Ink“ auch ausgewählten Veredlern – also Druckereien und Textilveredlern – zur Verfügung stehen. Das heißt: Nicht mehr nur Re-Shirt selbst druckt, sondern die Technologie wandert zu Partnern, die bestehende Produktionsketten nutzen. Für Marken, Agenturen und Printbetriebe eröffnet das neue Möglichkeiten: temporäre Kampagnen-Prints, die später verschwinden, kombinierbar mit dauerhaftem Branding.











