Schlagerstar im Interview

Roland Kaiser: "Ich habe gelernt, demütig zu sein"

Er verzaubert Jung und Alt – und das seit fast 50 Jahren! Roland Kaiser hat den deutschen Schlager maßgeblich geprägt. Was ihn im Leben geprägt hat, verrät er hier.

roland kaiser im interview
Foto: IMAGO / Andre Lenthe

Santa Maria …“ Schon sein Name reicht, wir alle haben dieses eine Lied im Kopf, alle können mitpfeifen und -singen. Und dann kommen all die anderen Hits hinterher: „Warum hast du nicht nein gesagt“, „Joana“ oder „Dich zu lieben“. Ja, Roland Kaiser gehört zu den ganz Großen am deutschen Schlagerhimmel. Und kommt auch bei der Jugend noch richtig gut an. Dieses Jahr ist seines. 70. Geburtstag, neues Album und auf Tour ist er auch noch. Er erzählt, warum er heute glücklicher denn je ist.

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tina: Mit „Perspektiven“ ist Ihr inzwischen 30. Studioalbum erschienen. Gab es einen Meilenstein, bei dem sich Ihre Perspektive auf das Leben stark verändert hat?

Roland Kaiser: Ich bin Vater von drei wunderbaren Kindern – im Grunde sind es sogar vier, da ich Tim, den meine Frau Silvia mit in die Ehe gebracht hat, längst wie meinen eigenen Sohn betrachte. Und das hat natürlich alles verändert! Ich stand auf einmal nicht mehr im Mittelpunkt, sondern die Kinder. Dadurch habe ich mich auf die normale Größe zurück reduziert und hauptsächlich darauf geschaut, was gut für den Nachwuchs ist. Das tut mir sehr gut!

Warum genau?

Weil ich in einer Branche arbeite, in der ich immer wieder verführt war zu glauben, dass ich größer als andere und irgendwie unfehlbar bin. Erfolg und Applaus sind etwas Wunderbares; beides kann dir aber auch zu Kopf steigen und dich negativ verändern. Am Ende sind wir dann aber doch alle nur kleine Menschlein, die sich zuweilen viel zu wichtig nehmen. Am eigenen Leib erfahren zu müssen, wie zerbrechlich unser aller Leben sein kann, hat mich ebenfalls demütig werden lassen.

Sie spielen auf die Zeit an, als bei Ihnen die lebensgefährliche chronische Lungenkrankheit COPD diagnostiziert wurde?

Genau! Die ersten Jahre hatte ich die Diagnose ja konsequent nicht öffentlich gemacht, da ich meinen Fans gegenüber partout keine Schwäche zeigen wollte. Bis es dann irgendwann einfach nicht mehr ging. Durch die Lungentransplantation vor zwölf Jahren hat dann mein zweites Leben begonnen. Seitdem erlebe ich alles viel bewusster, aufmerksamer und gehe mit den Dingen viel sorgfältiger um.

Der Titel „Zuversicht“ vom neuen Album ist ein Appell an die Versöhnung und das Aufeinander-Zugehen. Ein schönes Signal.

Ich würde mich sehr freuen, wenn wir alle den Dialog miteinander wieder aufnehmen würden. Denn wenn die auseinandergedrifteten Teile der Gesellschaft nicht wieder zusammenfinden, hätte das fatale Folgen. Wir müssen aufeinander zugehen und miteinander reden – in allen Bereichen: Das gilt für Themen wie Corona, Migrationspolitik, Energiekrise oder den Ukrainekrieg.

Was Roland Kaiser wirklich Kraft gibt

Was gibt Ihnen persönlich Zuversicht, dass wir alles gut überwinden werden?

Für mich war und ist das Glas immer halb voll. Das war auch in meinen schwersten Krisenzeiten so. Ich habe immer daran geglaubt, dass am Ende alles gut gehen wird – und zumindest bei mir war es bislang zum Glück so.

Live sind Sie erfolgreich wie nie. Bei Ihrer jüngsten Open-Air-Tournee haben Sie vor mehr als 300 000 Fans gespielt …

Das ist wirklich fantastisch. Ich bin sehr dankbar und glücklich, dass Konzerte nach zwei langen Jahren der Pandemie endlich wieder möglich sind. Die Menschen haben sich nach dieser Form der Unterhaltung gesehnt.

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Haben Sie sich jemals gefragt, warum Sie auch bei der jungen Generation so gut ankommen?

Meine Tochter hat einmal zu mir gesagt: Papa, du versuchst gar nicht erst, dich bei uns anzubiedern. Du trägst auch bei 35 Grad im Schatten deinen Dreiteiler auf der Bühne und ziehst dein Ding durch: keine Jeans und T-Shirt, keine aufgesetzten coolen Sprüche. Du bleibst authentisch, und das finden wir cool! Vielleicht ist das die Erklärung.

Mit Ihrer dritten Frau Silvia sind Sie seit mehr als 26 Jahren verheiratet. Warum passt es diesmal so perfekt, während Ihre ersten beiden Ehen gescheitert sind?

Im Rückblick gesehen geht das Scheitern meiner ersten beiden Ehen hauptsächlich auf mein Konto: Bei meiner ersten Ehe war ich einfach noch zu neugierig auf andere Frauen und ging oft fremd. Und bei meiner zweiten Frau war es meine unbändige Arbeitswut. Das war in den 90er-Jahren, als ich neben meiner Musikkarriere auch noch als TV-Produzent gearbeitet hatte. Ich war deshalb fast nur noch unterwegs und habe in dieser Zeit meine Ehe leider sehr vernachlässigt.

Haben Sie und Silvia ein Glücksrezept?

Wir haben den großen Respekt und die Achtung voreinander bis heute erhalten. Und auch unser liebevoller Umgangston miteinander ist nie verloren gegangen. Zudem sehen und nehmen wir das Leben stets mit einer großen Portion Humor.

Autor: Alexander Nebe