Deutschlands größte Kriminalfälle

Thomas Holst: Erst grüßte er höflich die Nachbarn, dann tötete er Frauen

Thomas Holst trieb zwischen 1987 und 1990 im Hamburger Raum sein Unwesen. Der sadistische Triebtäter ist auch als „Heidemörder“ bekannt.

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Es konnte beim Geschirrspülen passieren, beim Zeichnen oder beim Autofahren. Aus dem Nichts überkam ihn dann der übermächtige Drang, eine Frau zu töten. Manchmal ließ der Trieb von selber nach. Und ein anderes Mal verschwand seine Mordlust wieder, weil er kein geeignetes Opfer fand. Doch dreimal gab der sogenannte „Heidemörder“ seinem Verlangen nach. Er ermordete drei junge Frauen auf brutalste Art und Weise und zerstörte damit auch das Leben ihrer Familien und Freunde.

Thomas Holst: Der nette Mann von nebenan war ein Sadist

Zwischen 1987 und 1990 trieb Thomas Holst (heute 57) im Hamburger Raum sein Unwesen. Der gelernte Grafiker galt als intelligent und höflich, wie ein perfekter Schwiegersohn. „Er war ein sehr hilfsbereiter und netter Mann“, sagte eine Dame von nebenan später über ihn.

Vor allem aber war er ein brutaler Triebtäter – erst grüßte er höflich die Nachbarn, dann tötete er Frauen. Er war 23 Jahre alt, als er die Studentin Andrea Grube-Nagel († 21) zwang, zu ihm ins Auto zu steigen. In seiner Wohnung in Hamburg vergewaltigte und strangulierte er sie. Ihre Leiche wurde zwei Tage später auf einem Feldweg gefunden. Drei Monate später ermordete er die zweifache Mutter und Ehefrau Petra Maaßen († 28). Danach war er mit seiner damaligen Freundin von Hamburg in die Lüneburger Heide gezogen. Dort in seiner Nachbarschaft fand er sein drittes Opfer, die Kosmetikschülerin Lara Holz († 22).

Nach diesem letzten Gewaltverbrechen rückte der dunkelblonde Grafiker ins Visier der Polizei. Die Kriminalisten fanden Parallelen zwischen einer Vergewaltigung, wegen der er Jahre zuvor zu 18 Monaten auf Bewährung verurteilt worden war, und dem Mord an Lara Holz.

Am Heiligen Abend 1990 wurde Thomas Holst verhaftet

Am Heiligen Abend 1990 klickten die Handschellen. Die Ermittler konnten nachweisen, dass die Leiche der jungen Frau im Auto von Thomas Holst zum späteren Fundort gefahren wurde. Er kam wegen der drei Morde vor Gericht. „Ich war schweinenett zu den Frauen“, sagte er über seine sadistischen Taten. Ein psychiatrisches Gutachten beschrieb ihn als „untherapierbar bei extremer Rückfallwahrscheinlichkeit“. Das Urteil lautete „lebenslange Freiheitsstrafe mit anschließender Sicherungsverwahrung“, zudem stellte der Richter die besondere Schwere der Schuld fest. In diesem Fall sollte das wirklich heißen: für immer hinter Gittern.

Thomas Holst: Seine Therapeutin verhalf ihm zur Flucht

Der verurteilte Dreifachmörder sollte deshalb seine Strafe auch nicht in einer regulären Justizvollzugsanstalt absitzen. Stattdessen wurde er im Hochsicherheitstrakt der forensischen Abteilung des Hamburger Klinikums Ochsenzoll untergebracht.

Dort bekam er Therapiesitzungen mit der Psychologin Rachel Levy (Name von der Redaktion geändert). Die Israelin war eine Chirurgentochter aus reichem Elternhaus und acht Jahre älter als er. Im Gegensatz zu vielen ihrer Kollegen war sie überzeugt, dass ihr Patient behandelbar und sogar heilbar sei. Ihre Bindung wurde immer enger. Thomas Holst nannte sie „meine Kleine“ und überredete sie 1995, ihm zur Flucht zu verhelfen. Das tat sie – aus Mitleid und auch aus Liebe, wie sie später aussagte.

„Thomas ist der erste Mann, in den ich mich verliebt habe“

Sein Ausbruch sorgte in der Bevölkerung für große Angst vor neuen Morden. Drei Monate lang versteckte er sich in einer von seiner Therapeutin heimlich angemieteten Einzimmerwohnung. Sie hatte außerdem 250 000 Mark (umgerechnet 127 000 Euro) von der Bank abgehoben für ihr geplantes gemeinsames Leben in Israel. Die Polizei kam ihr auf die Schliche und verhaftete sie, um den Flüchtigen aus der Reserve zu locken. Der Plan ging auf: Er stellte sich schließlich der Polizei. Wegen Fluchthilfe wurde Rachel Levy zu zwei Jahren auf Bewährung verurteilt. 1997 heirateten sie, im Gefängnis. „Thomas ist der erste Mann, in den ich mich verliebt habe“, schwärmte sie und trat auch noch in TV-Talkshows auf.

Thomas Holst: Die Familien seiner Opfer finden keine Ruhe

Für die Familien seiner Opfer war das alles kaum zu ertragen. Auch wenn er bis heute hinter Gittern ist, finden sie keine Ruhe. „Immer wenn ich glaube, jetzt haben wir es geschafft, kommt der nächste Schlag“, sagte ein Angehöriger. „Das Grauen lässt meine Familie niemals los.“

Artikelbild & Social Media: IMAGO / teutopress

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