„Alpine Divorce“: Großglockner-Prozess sorgt für Diskussion über Frauensicherheit
Auf Social Media geht der Begriff „Alpine Divorce“ viral. Hier berichten Frauen, wie sie von ihrem Partner beim Bergsteigen oder Wandern zurückgelassen wurden. Grundlage dafür ist ein tragischer Fall, bei dem eine Bergsteigerin starb.
Wie groß ist die Gefahr für Frauen, die alleine mit ihrem Partner wandern oder bergsteigen gehen? Diese Frage wird aktuell auf verschiedenen Social-Media-Plattformen aufgegriffen. Hier berichten Frauen unter dem Begriff „Alpine Divorce“ von unsicheren Situationen, insbesondere bei Outdoor-Aktivitäten, in denen sie von ihrem Partner allein gelassen wurden. Einer Person, der man eigentlich vertraut. Doch dann sind sie plötzlich auf sich gestellt, in teils lebensbedrohlichen Umgebungen.
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Vom Partner zurückgelassen: Das geschah am Großglockner
Hintergrund ist ein tragischer Fall aus Österreich, der über die Ländergrenzen hinaus erschüttert. Im Januar 2025 brechen die 33-Jährige und Thomas P. frühmorgens zu ihrer geplanten Tour auf den 3.798 Meter hohen Großglockner in den Alpen auf. Einen Tag später ist die Bergsteigerin tot.
Im Zentrum der Ermittlungen und des anschließenden Prozesses steht ihr 37-jähriger Partner und Bergsteiger Thomas P. Laut Staatsanwaltschaft soll er seine Partnerin „schutzlos, entkräftet, unterkühlt und desorientiert“ zurückgelassen haben. Die Staatsanwaltschaft verurteilt den Mann wegen grob fahrlässiger Tötung zu fünf Monaten auf Bewährung und einer Geldstrafe. Grund dafür sind die Fehleinschätzung der Fähigkeiten der Frau, der nicht rechtzeitige Abbruch der Tour, das zu späte Absetzen des Notrufs und ihr Zurücklassen. Die Frau starb bei eisigen Temperaturen am Erfrierungstod. Das Urteil ist noch nicht rechtskräftig.
Der Mann selbst bekannte sich nicht schuldig, betont aber, wie leid es ihm tue. Weiter erklärt er, seine Partnerin sei bei der Planung involviert und sehr sportlich gewesen.
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„Alpine Divorce“: Was ist das?
Nach diesem erschütternden Fall findet man auf TikTok und Instagram vermehrt den Begriff „Alpine Divorce“ (dt. „Alpine Scheidung“). Er beschreibt das Phänomen, bei dem Männer ihre Partnerinnen beim Bergsteigen oder auf Wandertouren zurücklassen. Besonders wenn die Frauen unerfahrener sind, sind sie auf ihren Partner angewiesen. Läuft dieser zu schnell vor oder lässt sie allein, kann es lebensgefährlich für die Partnerin werden. Vor allem dann, wenn die Ausrüstung nicht ausreichend ist, wie es laut eines Gutachtens auch bei dem Großglockner Paar der Fall gewesen ist. Auch sind die Berg- und Wanderrouten meist keine vertrauten Wege, was die Orientierung erschwert. Dunkelheit, Kälte, Verletzungsgefahr und unzureichende Verpflegung bündeln sich zu einer lebensbedrohlichen Situation.
Seinen Namen erhielt das Phänomen aus der Literatur. In der Geschichte von Autor Robert Barr „An Alpine Divorce“ plant ein Ehemann, seine Frau während einer Wanderung zu ermorden, indem er sie von einer Klippe stößt. Was einem schon in der Vorstellung einen Schauer über den Rücken jagt, hat laut Aussagen einiger Frauen auf Social Media durchaus Bezug zur Realität.
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Bergsteigen mit dem Partner: Ein hohes Risiko für Frauen?
Wer in den sozialen Medien nach dem Begriff sucht, stößt auf unzählige Berichte von Frauen, die darüber berichten, mit ihrem (Ex-)Partner so eine „Alpine Divorce“ erlebt zu haben – ob beim Wandern oder einem Roadtrip, bei Schnee oder unerträglicher Hitze.
Eine Userin schreibt auf TikTok:
„Mein Ex hat mich während einer Wanderung zu den Red Rocks für ein Konzert einfach sitzen lassen. Ich habe mittelschweres bis schweres Asthma (das wusste er). Ich hatte beinahe einen medizinischen Notfall und musste von Fremden versorgt werden. Mein Ex zeigte keinerlei Reue, als ich ihn fand und ihm erzählte, was passiert war. Wir haben uns sofort getrennt.“
Eine andere berichtet:
„Mein Vater hat das auch mit meiner Mutter und mir gemacht. Er hat uns auf einen „Jagdausflug“ mitgenommen und uns dann im tiefen Schnee zurückgelassen. Wir hatten keine Ahnung, wo wir waren, aber nach stundenlangem Marsch konnten wir schließlich rausfinden. Es war so furchtbar, und ich habe so großes Mitleid mit allen, die das erlebt haben. So grausam!“
Viele dieser Ereignisse fanden bei Outdoor-Aktivitäten wie Wandern, Klettern oder im Urlaub statt. Dem Mann war die Partnerin „zu langsam“, zu „nervig“ oder wollte sie durch das Zurücklassen „herausfordern“, sich zu beweisen.
Doch andere Frauen berichten auch davon, wie sie in Bars, Parks, auf Parkplätzen oder an anderen öffentlichen Orten zurückgelassen werden. Alles Orte, die für Frauen, besonders nachts, ein potentielles Risiko darstellen:
„Ich wurde mal um 1 Uhr nachts in einer Bar einfach sitzen gelassen. Er hatte mein Handy und mein Portemonnaie für mich aufbewahrt. Ich war am Boden zerstört und denke immer noch ab und zu daran. Ich kann mir gar nicht vorstellen, wie es wäre, in der Wildnis allein gelassen zu werden!“, schreibt eine Frau in einem TikTok-Kommentar.
Statistiken, wie oft es zu den „Alpine Divorces“ kommt, gibt es aktuell keine.
Wie können Frauen sich vor der "Alpine Divorce" schützen?
Dass Frauen sich in Gegenwart von (fremden) Männern meist nie zu 100 Prozent sicher fühlen können, ist leider die Realität. Gerade wenn man sich zu zweit in der Natur aufhält, wo nur wenig andere Menschen anzutreffen sind und die Umgebung nicht vertraut ist, besteht ein gewisses Risiko. Dennoch gibt es einige Dinge, auf die Frauen* achten können, um sicherer unterwegs zu sein:
Wähle eine Route passend zur eigenen Kondition und Erfahrung und beachte dabei Schwierigkeit, Höhenmeter, Wetterumschwünge und Gehzeit
Bevor du ein „große“ Tour mit deinem*deiner Partner*in machst, mache lieber vorher kleine, damit ihr euch besser einschätzen könnt
Sei bei der kompletten Planung involviert und gehe sicher, dass du die Route theoretisch auch alleine laufen könntest.
Plane vorab Alternativrouten und Abbruchmöglichkeiten und besprich das Vorhaben und Notfallpläne ausführlich mit deinem*deiner Partner*in.
Unternehme niemals eine Tour mit jemandem, mit dem du nicht vorher schon kleinere Routen gelaufen bist. Du solltest dir sicher sein, dass du die Route abbrechen kannst, ohne mir der anderen Person darüber diskutieren zu müssen. Wenn du und dein*e Partner*in einer schwierigen Phase oder einer toxischen Beziehung seid, solltet ihr besser keine riskanten Unternehmungen planen.
Teile jemand Vertrautem Route, Ziel und Rückkehrzeit mit und vereinbare, wann du dich meldest.
Wähle die richtige Ausrüstung und bereite Proviant so vor, dass unvorhergesehene Situationen bewältigt werden können.
Du solltest eine Notrufapp- und Telefonnummer auf dem Handy haben.
Bei Schwächeerscheinungen, Unsicherheiten und unvorhergesehenen Erschwernissen auf der Route lieber umkehren und ggf. Rettungskräfte informieren
Absichern, dass du und dein*e Partner*in immer zusammenbleibt und niemand zurückgelassen wird!







