Laut Sexualtherapeutin

Bukkake-Party: So frei ist die Sexpraktik in ihrer weiblichen Selbstbestimmung wirklich

Was steckt hinter einer Bukkake-Party? Zwischen Enttabuisierung, feministischer Kritik und Fragen nach Rollenbildern: Eine differenzierte Betrachtung.

Grafik von zwei Kokosnüssen auf Rosa-Hintergund.
Foto: dvulikaia / iStock
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Als der Auftrag „Bukkake-Party“ auf meinem Tisch lag, dachte ich als erstes an Kampfsport. Dass es sich um eine Sexpraktik handelt, wurde mir dann schnell klar – und auch, dass es sich um ein komplexes und polarisierendes Thema handelt. Eines, das kritisch beleuchtet werden sollte.

Was ist mit dem Begriff Bukkake-Party auf sich hat, welche zwei Seiten die Sexpraktik hat und was du beachten solltest, wenn du sie ausprobieren möchtest, erklären wir in diesem Artikel mit Hilfe von Heike Melzer, Sexualtherapeutin aus München.

Was ist eine Bukkake-Party?

Bukkake ist japanisch und bedeutet übersetzt so viel wie „Spritzer“. Der Name kommt nicht von ungefähr: Bukkake ist eine Gruppensexpraktik, bei der Männer im Kreis stehen und auf das Gesicht (manchmal auch auf andere Körperstellen) einer in der Mitte sitzenden Frau ejakulieren. Es handelt sich also um eine „Massenbesamung“.

Die Anzahl der Teilnehmer variiert - von 10 bis mehr als 20 oder 30 Männer. Sobald ein masturbierender Mann zum Höhepunkt kommt, gibt er der Frau Bescheid und ejakuliert auf die zuvor ausgemachte Körperstelle. Bei der Sexpraktik handelt es sich um eine reine Gruppenbesamung; niemand hat Geschlechtsverkehr.

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Ursprung: Woher kommen Bukkake-Partys?

Die Geschichte dieser Gruppensexpraktik ist nicht vollständig geklärt. Die plausibelste Theorie stammt aus der japanischen Pornoindustrie der 70er-Jahre: In Japan ist das Zeigen von Geschlechtsteilen verboten, weshalb das Gesicht der Frau in den Mittelpunkt gestellt wurde und Männer, die dieses mit Sperma bespritzen. Sperma steht nicht unter Zensur.

Das Problem mit Bukkake-Partys

Wenn sich eine Frau freiwillig von mehreren Männern mit Sperma bespritzen lässt, ist dem doch nichts entgegenzusetzen, oder?

„Zunächst einmal ist Bukkake keine Straftat und die Vorlieben jedes Menschen sind verschiedenen“, sagt Heike Melzer, Sexualtherapeutin aus München. „Die einen haben mit einem Menschen Sex, die anderen mit zehn. Es gibt verschiedene Praktiken, die von einem oder beiden Seiten als lustvoll empfinden werden.“

Das Problem daran ist nur: Bukkake-Partys kommen vor allem in der Pornoindustrie und Prostitution vor. Von „frei“ kann man bei Letzterem nicht wirklich sprechen. In Sex-Foren können Männer Prostituierte gegen eine Bezahlung für ihre eigene Bukkake-Party buchen; in Bordellen werden ebenfalls regelmäßig spezielle Bukkake-Events für Freier angeboten. 

Heike Melzer beleuchtet Bukkake aus drei Gesichtspunkten:

  1. Trieb: In der Sexualität gibt es drei Säulen, bestehend aus Liebe, Fortpflanzung, und Triebe. „Bei Bukkake wird die Trieb-Seite bedient, das hat etwas mit Geilheit zu tun“, so Heike Melzer. „Bukkake ist also eine triebgesteuerte Praktik, ähnlich wie Gangbang und wird häufig von Menschen mit einer Hypersexualität ausgeführt.“ Unter Hypersexualität (auch als Sexsucht bekannt) verstehen Psycholog*innen Menschen, die einen ständigen Drang nach Sex verspüren, was einen starken Leidensdruck verursachen kann.

  2. Inszenierung: „Bei Bukkake gibt es durchaus Vergleiche unter den Männern“, so Melzer. „Wer spritzt als erstes ab? Wer schafft es, das Make-up zum Verlaufen zu bringen?“. Laut Melzer befinden wir uns dann auf dem Niveau eines Bonobo-Affens.„Der eine Affe springt drauf, die anderen folgen“, so Melzer. „Es macht die Männer noch geiler, wenn andere ihnen zuschauen."

  3. Unterwerfung der Frau: „Bei Bukkake werden Männerfantasien bedient.“ Das kommt natürlich ebenfalls im BDSM vor, kann da aber auch umgekehrt sein. „Bukkake kommt bestimmt auch in reinen Männergruppen vor“, so Melzer. Doch in diesem Fall - mehrere Männer, eine Frau - ist die Praktik eine Herabwertung der Frau - vor allem, mit Blick auf die Pornoindustrie und Prostitution.

Bukkake-Party: Objektivierung der Frau

Egal, ob Frau oder Mann: „Sexualität ist ein großer Belohnungsreiz", sagt Heike Melzer. Sexualität in seiner ständigen Verfügbarkeit der Reize, lässt das Belohnungssystem verstärkt erleben. Das hat zur Folge, dass sich das Gleichgewicht in Richtung Belohnung verschieben kann und eine Autonomisierung der Triebe stattfindet.

Klar, manchmal ist gesund, im Bereich der Sexualität etwas Neues auszuprobieren, wie etwa eine Swinger-Party. Das kann sogar Entwicklungssteigernd sein. Doch klar ist laut Heike Melzer: „Bukkake ist für Menschen keine persönlichkeitssteigernde Veranstaltung. Die Objektivierung der Frau steht hier im Fokus.“

Genau das genießen manche Frauen: Als Lustobjekt gesehen zu werden. Das ist eine selbstbestimmte freie Entscheidung. „Problematisch kann das aber sein, wenn es Auffälligkeiten in der Biografie gibt“, sagt Heike Melzer. „Etwa, wenn eine Frau ihren Selbstwert damit verknüpft, dass sie ein Lustobjekt ist.“

Die Risiken einer Bukkake-Party

Wer als Frau Bukkake ausprobieren möchte, sollte sich bewusst machen, dass es einige Risiken gibt“, betont Heike Melzer und weist auf folgende hin:

  1. Krankheiten: Den größten Risikofaktor sieht die Sexualtherapeutin in der Ansteckungsgefahr. Denn selten legen Männer vorab einen negativen STI-Test (Nachweis von sexuell übertragbaren Infektionen (STIs) wie Chlamydien, Gonorrhoe, Syphilis, Hepatitis oder HIV) vor. "Bukkake ist also kein Safer Sex. Vor allem, wenn das Sperma Augen oder Mund trifft, kann die Sexpraktik zu Krankheiten führen." 

  2. K.o-Tropfen: Heike Melzer: "Es gibt riesige Foren, in denen Männer besprechen, was man Frauen ins Getränk reinmischen kann, damit sie gefügig sind. Ich rate eindringlich dazu, achtsam zu sein." 

  3. Verletzung der persönlichen Rechte: „Nicht selten werden Kameras in Steckdosen oder Feuermeldern versteckt oder jemand hält doch mal kurz mit der Kamera drauf“, sagt Heike Melzer.

Bukkake-Party: Das solltest du bei der Gruppensexpraktik beachten

Eine Bukkake-Party ist keinesfalls eine harmlose Sexpraktik. Wenn du sie dennoch ausprobieren möchtest, solltest du folgendes zu deiner eigenen Sicherheit beachten:

  1. Safe-Wort: Einige dich mit den Männern auf ein Safe-Wort. Sagst du es, hören sie sofort auf mit der Ejakulation.

  2. Körperteile festlegen: Spreche vorher ab, auf welchem deiner Körperteile ejakuliert werden darf. Augen, Vagina und Mund sowie Berührungen sind tabu, um sexuelle Krankheiten und eine Schwangerschaft zu vermeiden.

  3. Chemsex: Halte Abstand zu Drogen aller Art und Veranstaltungen, bei denen sie konsumiert werden oder Chemsex praktiziert wird. Denn die bewusste Kombination aus Drogen und Sex birgt Risiken, die auf keinen Fall unterschätzt werden sollten.

Die häufigsten Fragen auf einen Blick

Die meisten Bukkake-Partys sind privat organisiert und werden meistens in Sex-Foren bekanntgegeben.

Die Risiken einer Bukkake-Party sind nicht zu verachten. Mögliche Geschlechtskrankheiten sind nicht auszuschließen.

Bei Bukkake findet keine Penetration statt; bei „Gangbang“ handelt es sich um eine umgangsprachliche Bezeichnung für Gruppensex. Dabei hat eine Person, meist eine Frau, mit mehreren Partnern gleichzeitig oder nacheinander Sex. Zur Abgrenzung: Willigt die Frau nicht ein, handelt es sich um eine Gruppenvergewaltigung. Bei Letzterem sind endgültig alle Grenzen überschritten. Es handelt sich nicht mehr um einen Graubereich, sondern um schwere Körperverletzung - physisch wie psychisch.

Foto von Heike Melzer. - Foto: Privat
Unsere Expertin

Heike Melzer ist Fachärztin für Neurologie und ärztliche Psychotherapeutin mit eigener Praxis in München. Ihre Schwerpunkte sind u.a. Verhaltenstherapie, Sexualtherapie / Sexualberatung, Paartherapie / Paarberatung sowie systemische Therapie. Heike Melzer, die bereits zwei Bücher veröffentlicht hat, arbeitet nach einem patienten- und lösungsorientierten Ansatz.

Mehr Informationen findest du unter dr-med-heike-melzer.de

Artikelbild und Social Media: dvulikaia / iStock

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