Erziehung & Entwicklung

Doktorspiele unter Kindern: So reagieren Eltern richtig

Irgendwann ist es soweit: Mädchen und Jungen entdecken, dass ihre Körper verschieden sind - und beginnen mit den "Doktorspielen." Wie sollen Eltern darauf reagieren?

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Schon im Alter von wenigen Monaten beginnen Kinder, ihren eigenen Intimbereich zu inspizieren. Mädchen berühren ihre Scheide, Jungen ihren Penis - das gehört zur ganz normalen Entwicklung eines Kindes dazu.

Zwischen dem dritten und vierten Lebensjahr beginnen Kinder, andere Kinder mit einzubeziehen: Sie zeigen sich gegenseitig ihre Geschelchtsteile - und berühren sie sogar, wenn sie z.B. "Doktor" spielen und sich gegenseitig "untersuchen."

Doktorspiele unter Kindern: So reagieren Eltern richtig
Wie sollen Eltern auf Doktorspiele unter Kindern reagieren? Foto: iStock

Warum spielen Kinder "Doktorspiele"?

Bei vielen Eltern ist gerade dann der Punkt erreicht, der sie verunsichert: Ist das normal, wenn sich Kinder gegenseitig zwischen die Beine greifen? Und wenn ja: Wann gehen Intimitäten unter Kindern zu weit?

Erwachsene assoziieren das gegenseitige Berühren nackter Körpern mit Sex. Dabei sind sich Experten einig: "Doktorspiele" und Kindern sind nur als Spiele zu verstehen. Dahinter verbirgt sich kindliche Neugier und Interesse am eigenen und fremden Körper. Kinder empfinden bei Doktorspielen kein sexuelles Verlangen, sind nicht auf Geschlechtsverkehr aus. Sie wollen tatsächlich nur spielen und dabei Neues entdecken. Es ist normales sexuelles Kinderverhalten.

Durch Doktorspiele lernen Kinder mit den hervorgerufenen sexuellen Gefühlen umzugehen und keine Angst vor Sexualität zu entwickeln. Dabei spielen Kinder "Doktor" sowohl mit Kindern des gleichen Geschlechts, als auch mit dem anderen Geschlecht. Beides ist normal.

Ab dem fünften Lebensjahr - also etwa zur Einschulung - beginnen Kinder enge Freundschaften zu knüpfen. Sie gehen liebevoll miteinander um, streicheln sich, spielen miteinander, werden sogar eifersüchtig, wenn der oder die beste Freund/in mit jemand anderem lieber spielt. Sie erlernen Intimität - sowohl körperliche als auch psychische.

In die gleiche Kategorie wie das "Doktorspielen" fallen andere Rollenspiele wie etwa die Imitation von Mutter und Vater ("Elternspielen") oder das einer Schwangerschaft (z.B. indem sich Mädchen einen Ball oder Luftballon unter den Pulli schieben).

Was Eltern bei Doktorspielen unter Kindern beachten sollten

  • Ist das Kind in dem Alter, indem es Geschlechtsteile entdeckt, sollten Eltern immer erst anklopfen, bevor sie das Kinderzimmer betreten. Kindern ist es häufig peinlich, wenn Eltern sie bei der Entdeckung ihrer Intimstellen erwischen. Kinder möchten alleine sein, wenn sie ihre Geschlechtsteile berühren. Kinder haben ein Recht auf Intimsphäre und Geheimnisse.
  • Experten raten Eltern zur Zurückhaltung. Erwischen sie ihr Kind dabei, wie es mit seiner Freundin, einem Freund oder Geschwisterkind Geschlechtsteile erkundet, sollten Eltern dem keine zu große Bedeutung beimessen.
  • Eltern dürfen ihr Kind darauf ansprechen, wenn sie es dabei erwischt haben. Dann sollten sie aber liebevoll fragen, was das Kind gemacht hat und was es dabei empfunden hat. Zusätzlich können Eltern den Kindern Gegenüber die Legitimität und die Grenzen von Doktorspielen aufzeigen, z.B.: "Wenn ihr Doktor spielt, ist es wichtig, dass ihr nur tut, woran ihr beide Spaß habt. Wenn einer keine Lust mehr hat und aufhören möchte zu spielen, darf er es sagen."

Wann und wie sollten Eltern Doktorspiele der Kinder unterbinden?

  • Die "Doktorspiele" der Kindern sollten unterbunden werden, wenn sich die Kinder verletzen. Denn Vorsicht: Einige Kinder experimentieren sogar mit Gegenständen - wie z.B. Stiften - die sie sich in Körperöffnungen (etwa Nase, Mund, Ohren, Vagina, Po) stecken.
  • Wenn nur eins der Kinder es freiwillig tut und das andere Kind es offensichtlich nicht mag oder möchte, sollten die Eltern dazwischen gehen. Doktorspiele sollten nur stattfinden, wenn beide Kinder Lust dazu haben.
  • Bei großem Altersunterschied sollten keine Doktorspiele zwischen Kindern stattfinden. Der Altersunterschied zwischen den Kindern sollte maximal 2 Jahre betragen. So sind die Kinder gleichberechtigt, fühlen sich dem anderen nicht unter- oder überordnet.
  • Wenn Kinder - was selten geschieht - Sex nicht nur nachspielen, sondern tatsächlich auch ausüben, geht das Spiel Experten zufolge zu weit. Dann müssen Eltern die Kinder vorsichtig auseinanderbringen - aber ohne zu schimpfen. Erziehungsberatungsstellen oder Kinderärzte können in solchen Extremfällen als Berater hinzugezogen werden.
  • Berührt ein Kind sein Geschlechtsteil in der Öffentlichkeit, sollten Eltern das Kind mit etwas anderem ablenken. Das kann mit einer Erklärung unterstützt werden, etwa: "Du darfst deinen Körper berühren, aber am besten nur, wenn du alleine bist in deinem Kinderzimmer."
  • Berührt das Kind die Geschlechtsteile der Eltern, sollten sie ihrem Kind in ruhigem Tonfall sagen, dass sie das nicht möchten. So lernt das Kind, die Intimsphäre von anderen zu respektieren.

Im Grundschulalter lässt die kindliche Neugier nach. An ihre Stelle tritt das Schamgefühl.

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