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"Ich bin eine Sexistin – ich mag Männer lieber als Frauen"

Sexismus - das ist etwas für Männer und gegen Frauen. Oder? Ich bin eine Frau. Und ich glaube, ich bin eine Sexistin. Denn irgendwie mag ich Männer lieber als Frauen.

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Stellt man sich einen Sexisten vor, denkt man meist an einen Mann. Das bestätigt mir auch der Duden, der mir prompt die allesamt männlichen Synonyme Pascha, Chauvi und Macho vorschlägt.  Das bin also ich. Darf ich vorstellen, Mareike, 1,56m groß, blonde Locken, weiblich – und eine Vertreterin des Sexismus. Freut mich, dich kennen zu lernen. Bist du ein Mann? Sympathisch, weiterlesen! Du bist eine Frau? Erst recht weiterlesen, denn offensichtlich habe ich ein Problem mit dir, dieser Text dreht sich genaugenommen also um uns beide.

Sexismus, das ist per Definition des Duden die „Vorstellung, nach der ein Geschlecht dem anderen von Natur aus überlegen sei“. Kann ich so unterschreiben. Gleichberechtigung hin oder her, Männer, keine Kinder gebären zu müssen und in der Öffentlichkeit deutlich leichter pinkeln zu können, das ist meiner Meinung nach durchaus ein biologischer Vorteil. Dafür diskriminiere ich euch aber nicht. Im Gegenteil: Irgendwie mag ich euch lieber, liebe Männer. Und unterbewusst bevorzuge ich euch auch. Womit ich die Frauen wiederum diskriminiere. Wie Sexisten eben so sind.

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Unterbewusst mochte ich Männer schon immer lieber als Frauen

Es fing schon im Kindergarten an. Mein bester Freund hieß Timo. Mit ihm spielte ich „Zimmer verwüsten“, bis kein Fleck Boden mehr zu sehen war. Bis auf einen kleinen Zwischenfall, bei dem er mir einen Kuss auf die Wange geben wollte – bäh, eklig – waren wir gute Freunde. Dann war da noch Max, der mich mit einer Flaschenpost zu seiner Piratenfeier einlud. Und Lennart, der mich im Mini-Go-Kart umherfuhr. Was die Drei gemeinsam hatten, außer, dass sie mir den morgendlichen Heul-Abschied meiner Eltern erleichterten? Sie waren allesamt männlich.

Männerabend vs. Mädelsabend

Wenn ich mir heutzutage anschaue, wie ich meine Freizeit verbringe, haben sich die Muster nur geringfügig verändert. Es gibt einen Freund, mit dem ich bereits einen gesamten Freitagabend damit verbracht habe, Dokumentationen über Pyramiden zu schauen, ein Bier zu trinken und dabei maximal zehn Sätze zu wechseln. Guter Abend. Ebensogut kann ich mit ihm über die Entstehung der Welt, Beziehungen und die große Liebe sinnieren - kann ich. Muss ich aber nicht. Zickenkrieg? Kenne ich nicht.

Mit Frauen gehen Abende hingegen meist etwas lauter, hektischer, aufgeregter, vor allem aber wortreicher vonstatten. Das ist schön und gut. Jeden Abend kann ich das aber nicht. Denn die Treffen sind oft intensiv. Und nach intensiven Treffen brauche ich erst einmal wieder Zeit für mich. Zeit mit den Jungs. Wenn ich näher darüber nachdenke, bin ich vermutlich weniger sexistisch, als vielmehr introvertiert.

Der größte Feind einer Frau...

Ich bin eine Sexistin - ich bin eine Frau und bevorzuge Männer.
Ich bin eine Sexistin - ich bin eine Frau und bevorzuge Männer. Foto: iStock / porcorex

Trotzdem: Lerne ich Männer auf einer Party kennen, bin ich offen und freudig gespannt. Cool! Schön, dich kennenzulernen! Ich sehe sie dabei übrigens nicht als potentiellen Liebhaber an, Männer fallen bei mir zuallererst in die Kategorie: Das könnte bestimmt ein guter Kumpel sein. Oft treten sie in meinen Augen entspannter auf. Vielleicht, weil sie kein drei Kilo schweres Baby produzieren müssen.

Hingegen ertappe ich mich dabei, wie ich Frauen mit einem gewissen Misstrauen begegne. Willst du mir etwas Gutes? Bewertest du mich gerade anhand meines Auftretens? Meinst du, was du sagst, oder muss ich zwischen den Zeilen lesen? Ich habe oft genug beobachtet, wie Frauen Frauen mustern. Wir schauen uns mit diesem Blick an, von oben bis unten, durch den wir uns nackt und entblößt fühlen. Wir vergleichen uns. Wir jagen uns Angst ein. Dabei aber immer mit einem Lächeln auf dem Gesicht. Denn natürlich sind wir nett und gut gelaunt und stark. Ich mag euch aber lieber, wenn ihr auch mal schwach seid. 

Der größte Feind einer Frau ist eine andere Frau, behauptet ein Sprichwort. Ich glaube, da ist etwas dran. Wenn wir beginnen würden, uns ein bisschen freundlicher und vor allem echter gegenüberzutreten, würde ich mich noch mehr über neue Kontakte freuen - unabhängig von deren Geschlecht.

Männer chillen, Frauen schrillen

Während andere Frauen quitschend eine Oktave höher rutschen, sobald ein einigermaßen attraktiver Mann den Raum betritt, lehne ich mich zurück. Man mag meinen, Männer hätten eine beruhigende Wirkung auf mich. Das ist natürlich absoluter Quatsch, denn es gibt es unter Männern genauso Arschlöcher wie unter Frauen, das ist mir bewusst. Trotzdem kann ich nicht verleugnen, dass Männer beim ersten Eindruck bessere Karten bei mir haben als Frauen.

Woran das liegt? Keine Ahnung. Man könnte nun tiefenpsychologisch in meiner Kindheit wühlen und herausfinden, dass mein Vater die Elternzeit für mich übernommen hat. Er selbst hat den Glauben an seinen Einfluss jedoch bereits seit dem Eintritt meiner pinken Prinzessinnenphase im Alter von vier Jahren verloren.  Auch sonst würde man mich nicht unbedingt als männlich beschreiben.

Mein Problem ist nicht die Frau, sondern das Klischee einer Frau

Ich bin aber auch nicht klassisch weiblich. Wenn es das heutzutage überhaupt noch gibt. Bei langen, spitzen Fingernägeln stellen sich mir die Nackenhaare auf. Meine Handtasche ist ein Jutebeutel und stammt statt vom Designer von einer Drogerie. Und wenn Frauen mit Foundation, Make-up und Puder-Schichten begegnen, finde ich sie zwar äußerlich schön, würde ihre Schminke jedoch am liebsten Schritt für Schritt abtragen, um ihr natürliches Ich zu sehen. Ihre natürliche Schönheit. Sind Männer gezwungenermaßen natürlicher, weil es ihr Aussehen meist ist? Weil es gesellschaftlich weniger akzeptiert ist, sich unter Schminke zu verstecken? Und macht Natürlichkeit demnach zwingend entspannter? 

Ein bisschen weniger Rolle, ein bisschen mehr #wunderbarECHT

Vielleicht habe ich auch gar kein Problem mit Frauen, sondern mit Geschlechterklischees. Seid wie ihr seid, männlich, weiblich, mir doch egal – aber seid einfach ihr selbst. Ohne Druck, ohne Urteile, ohne Vergleiche, ohne Schubladen. Diese Beschreibungen sind es übrigens auch, die auf meine Freundinnen zutreffen. Die ich alle sehr lieb habe und das, OBWOHL sie Frauen sind. Und so muss ich meine Aussage nun vielleicht selbst revidieren. Ich bin kein Sexist. Ich bin einfach nur gern ich selbst.

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