Missbrauchsvorwürfe

Marilyn Manson: Warum dieses Victim Blaming fatale Folgen für alle Frauen hat!

Missbrauchsvorwürfe gegen Marilyn Manson sorgen derzeit für Entsetzen - doch auch die Reaktion darauf macht Sorge.

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Das Jahr 2021 ist noch jung, doch schon jetzt erschüttern mehrere Missbrauchsvorwürfe die Film-und Musikszene. Hollywood-Star Armie Hammer wurde im Januar von mehreren Frauen emotionale und körperliche Misshandlung vorgeworfen. Vergangene Woche machte Schauspielerin Evan Rachel Wood öffentlich, dass sie während ihrer Beziehung von Sänger Marilyn Manson missbraucht worden sei.

Marilyn Manson: Schwere Missbrauchsvorwürfe gegen den Sänger

Bereits in den vergangenen Jahren hatte die 33-Jährige offen über schweren Missbrauch in einer ihrer Beziehungen gesprochen, darunter auch vor einem Ausschuss des US-Kongresses im Jahr 2018. Damals nannte sie den Namen der Person nicht, erst in ihrem Statement bei Instagram erklärte sie: "Der Name des Mannes, der mich missbraucht hat, ist Brian Warner, auch bekannt als Marilyn Manson."

Marilyn Manson: Von allen verlassen - Lügengerüst bricht zusammen!

Neben der Schauspielerin, die beim Kennenlernen mit ihrem Ex-Verlobten erst 18 Jahre alt war, meldeten sich weitere Frauen mit entsetzlichen Anschuldigungen gegen den Rocker zu Wort. Der hat in einem kurzen Instagram-Statement die Vorwürfe zurückgewiesen. Doch erste Konsequenzen sind bereits zu erkennen: Sowohl seine Plattenfirma als auch sein Manager sollen die Zusammenarbeit beendet haben.

Der Fall Marilyn Manson: Victim Blaming bei Facebook

Es ist allerdings nicht nur die Tatsache, dass immer mehr Frauen mit ihren Erfahrungen von Gewalt und Missbrauch an die Öffentlichkeit drängen, die einiges über die Gesellschaft offenbaren. Auch die Reaktionen auf die Vorwürfe zeigen Problematiken auf.

Ein Artikel der "New York Times" zu dem Thema hat mittlerweile über 1000 Kommentare bei Facebook generiert. Neben vielen Usern, die geschockt auf die Vorwürfe reagieren, finden sich auch andere Kommentare unter dem Post: "Was hast du erwartet von jemandem wie Marilyn Manson. Sieh ihn dir an!", "Du trittst ins Haus des Schreckens und erwartest, wie eine Prinzessin behandelt zu werden?", "Er hat dich angeblich einmal missbraucht und du bleibst bei ihm, damit es noch einmal passiert?" und "Warum sollte es uns kümmern, wenn es dir damit gut ging und du dann zehn Jahre später eine Karriere ruinieren willst, nur weil du verbittert bist?"

Warum Missbrauch und der Umgang damit so komplex ist

Kommentare wie diese zeigen, dass sich Opfer von Missbrauch immer wieder auch Victim Blaming ausgesetzt sehen, also die Schuld oder Mitschuld beim Opfer gesucht wird. Fragen wie "Warum ist sie nicht gegangen?" erfassen nicht die Komplexität von Missbrauch, die oft auch mit den von Evan Rachel Wood beschriebenen Manipulationen einhergeht.

"Da ist oft das Bild im Kopf, warum die Frau nicht einfach gehen kann. Also, dass man denkt, wenn der Partner gewalttätig ist, dann kann ich mich einfach trennen. Wo ist das Problem? Dass viele Leute nicht das Bewusstsein haben, wie schwierig es ist, aus so einer Gewaltbeziehung wieder rauszukommen. Dass es nicht einfach ist zu sagen, ich mache jetzt Schluss und gehe wieder meinen Weg", erklärt Diana Taler von der Frauenhilfe München gegenüber dem BR.

Ähnlich komplex ist die Frage danach, warum erst Jahre später Gewalttaten - sei es psychischer oder physischer Natur - angezeigt oder öffentlich gemacht werden. Neben Schuld und Scham der Opfer spielt auch Angst eine große Rolle. "Es ist die Furcht, dass dir nicht geglaubt wird. Dass der Täter mit seinen Drohungen weitermacht. Es kann Jahre dauern, bis eine Überlebende sich 'sicher genug' fühlt, den Missbrauch zu enthüllen", so Sharon Bryan vom National Centre for Domestic Violence, im Interview mit dem Portal "Louder Sound".

Victim Blaming kann fatale Folgen für Betroffene haben

Und auch Aussagen, die sich darauf beziehen, dass die Frauen bei einer exzentrischen und düsteren Figur wie Marilyn Manson mit derartigen Verhaltensweisen hätten rechnen müssen, stellen eine Form des Victim Blamings dar. Ein schockierendes Äußeres oder eine bestimmte öffentliche Wahrnehmung sind keine Ausrede für Missbrauch oder eine Art Vorwarnung - und werden es auch nie sein.

Darüber hinaus können unbedachte Kommentare eine fatale Wirkung auf andere Opfer haben. Denn: Beim Anblick derartiger Aussagen trauen sich womögliche viele Betroffene nicht, sich zu äußern und schweigen deshalb. So kann ein Teufelskreis entstehen und User sorgen mit ihren Äußerungen dafür, dass Täter weitermachen können wie bisher - und das will mit Sicherheit niemand. Wenn ein Opfer den Mut aufbringt zu sprechen, sollten Menschen - ganz besonders in den sozialen Medien - nicht urteilen, sondern still sein und zuhören!

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