Jetzt oder nie! So soll Timmys Rettung heute laufen
Viele Pläne wurden geschmiedet, heute soll es endlich soweit sein: Timmy wird mit einer Barge in die Nordsee geführt – sofern alles gut geht.
Nach 28 Tagen auf der Sandbank steht heute der entscheidende Versuch: Buckelwal Timmy soll in eine Mega-Barge verladen und mehr als 400 Kilometer Richtung Nordsee transportiert werden. Es ist der riskanteste Moment der gesamten Aktion, bei dem alles auf die Kooperation des geschwächten Tieres ankommt.
Ein wenig wie das Finale eines langen Dramas wirkt der heutige Tag. Seit Anfang März kämpft Timmy in der Ostsee, hat sich fünfmal festgerannt und über 50 Tage voller Rückschläge hinter sich. Die private Initiative setzt nun alles auf eine Karte – und hat den Plan zuletzt noch angepasst, um die Chancen zu verbessern.
Verladung ohne Netzplane
Anders als ursprünglich gedacht kommt diesmal keine Netzplane zum Einsatz. Stattdessen soll Timmy über eine mehr als 100 Meter lange Rinne schwimmend in das abgesenkte Stahlbecken der Barge gelangen. Ein breiter, flexibler Gurt wird unter seiner Brust entlanggeführt und hinter den Flippern (Brustflossen) gelegt, um ihn kontrolliert vorwärts zu ziehen.
Mehrere Helfer führen den Gurt auf beiden Seiten, sodass bei Panik sofort eine Seite losgelassen werden kann. Wichtig ist, dass Timmy nicht über den Sand geschleift wird, sondern „floatend“, also schwimmend, in der gebaggerten Fahrrinne bewegt wird. Der kritischste Moment bleibt das Anlegen des Gurts: Buckelwale können kräftig gegenarbeiten und das Manöver zu einer echten Kraftprobe werden lassen.
Schwankender Zustand
Die Lage bleibt angespannt, der Gesundheitszustand schwankt. Noch am Vortag sprach Tierärztin Dr. Kirsten Tönnies von einer flacheren Atmung, kurz darauf folgte eine Entwarnung – Experten schätzen Timmy weiterhin als transportfähig ein, obwohl er deutlich Gewicht verloren hat.
Zeitdruck wächst zusätzlich: Die DLRG will bereits am Mittwoch abreisen. Scheitert der Versuch heute, ist unklar, wie es weitergeht. Nach mehr als vier Wochen voller Hoffnung und Rückschläge hängt viel davon ab, ob Timmy noch die Kraft für den langen Weg ins offene Meer hat.
Drama seit Wochen
Die Rettungsaktion war von Anfang an ein Drama in mehreren Akten. Eine aus Hawaii eingeflogene Tierärztin, Jenna Wallace, stieg nach kurzer Zeit wieder aus und kritisierte, dass Selbstdarstellung über das Wohl des Wals gestellt werde. Eine andere Ärztin erlitt während des Einsatzes einen medizinischen Notfall und lag im Koma – unabhängig vom Wal.
Zwischendurch sorgte ein Ex-Hells-Angels-Rocker im Neoprenanzug für Schlagzeilen, der plötzlich im Rettungsteam auftauchte. Am Ende übernahm Kleintierärztin Dr. Kirsten Tönnies, die noch nie zuvor mit Meeressäugern gearbeitet hatte, die Verantwortung. Viele renommierte Meeresbiologen rieten derweil zur Zurückhaltung und empfahlen, den vermutlich schwer erkrankten Wal in Ruhe zu lassen.
Streit und Ausstiege
Besonders umstritten wurde es, als das deutsche Meeresmuseum samt Experten ausstieg. Grund war der Einstieg einer privaten Initiative von zwei Millionären, die das Projekt übernahmen. Das Museum hält bis heute fest: Die Aktion schade dem Wal mehr, als sie nütze – zu viel Trubel durch Boote, Kameras und Eingriffe.
Auch Robert Marc Lehmann sorgte für Kontroversen. Der Influencer mit Millionen Followern trat früh als „Wal-Experte“ auf, begleitete alles per Social Media und legte dem Wal sogar die Hand auf. Später wurde er wegen „Selbstdarstellung“ aus dem Institut für Terrestrische und Aquatische Wildtierforschung ausgeschlossen. Seine Prognosen zur Lage von Timmy erwiesen sich laut Verantwortlichen durchgehend als falsch.
Geblieben sind vor allem enorme Aufmerksamkeit und die Frage, wem sie mehr nützt – dem Wal oder den Beteiligten. Vier Wochen voller Idealismus, Inszenierung und Streit münden heute in den alles entscheidenden Versuch. Ob all das am Ende für Timmy gut ausgeht, zeigt sich in den nächsten Stunden.











