PR-Stunt statt Tierliebe

Mehr Hope als Verstand: So wurde die Timmy-Rettung zur Shitshow

Mit dem Tod von Buckelwal Timmy endet eine bizarre Phase in der Geschichte des Tierschutzes, bei der Timmy selbst am Ende kaum noch eine Rolle gespielt hat.

Till Backhaus hält sich das Kinn.
Für Till Backhaus ging die ganze Sache sehr gut aus. Foto: IMAGO / SNS UG
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Timmy ist tot – oder Hope, wie der Buckelwal auch genannt wurde, auch wenn dieser Name mittlerweile kaum noch passend erscheint. Gestrandete Wale sind leider keine Seltenheit, doch durch eine Verkettung unglücklicher Umstände wurde Timmy zur medialen Sensation und zum politischen Spielball.

1,5 Millionen Euro soll seine Rettung gekostet haben – mindestens, die benötigten Schiffe beispielsweise sind hier noch nicht eingerechnet. War es das wert? Da Timmy offensichtlich viel zu krank und geschwächt war, um eigenständig weiterzuleben, war es das scheinbar nicht, wobei hier häufig argumentiert wird, dass man die Rettung zumindest versuchen musste. Aber ist das so?

Die Kehrtwende von Till Backhaus

Es ist schon eine seltsame Situation: Als Timmy erstmals auf seiner Sandbank entdeckt wurde, schloss Mecklenburg-Vorpommerns Umweltminister Till Backhaus eine Rettung noch aus. Dabei verließ er sich auf Expertenmeinungen, das Tier sei einfach zu geschwächt, man solle es einfach in Frieden gehen lassen.

Hier hätte die Geschichte enden können, denn auch wenn Backhaus für seine Entscheidung kritisiert wurde, unvernünftig war sie eigentlich nicht. In Dänemark beispielsweise ist klar geregelt, dass Walstrandungen ein natürliches Phänomen sind und man bei ihnen nicht eingreifen wird.

Doch das mediale Interesse an Timmy wollten sich MediaMarkt-Gründer Walter Gunz und die Unternehmerin Karin Walter-Mommert zunutze machen. Sie waren bereit, einen Rettungsversuch für Timmy zu finanzieren – angeblich aus Tierliebe, wobei positive Publicity hier auch eine Rolle gespielt haben dürfte. „Mehr als einmal sterben kann er ja nicht“ fasste Gunz die Situation absolut korrekt zusammen, wobei nur jemand mit einem geschätzten Vermögen von 500 Millionen Euro mit so einer „Wer nicht wagt, der nicht gewinnt“-Einstellung einen Blankocheck für eine mit großer Wahrscheinlichkeit zum Scheitern verurteilte Walrettung ausstellen würde.

Und, oh Wunder: Als feststand, dass sein Bundesland nicht auf den Kosten sitzenbleiben würde, war plötzlich auch wieder Till Backhaus fest entschlossen, Timmy zu retten. Glaubte er also plötzlich an den Erfolg des Unterfangens? Wahrscheinlich nicht, aber zu verlieren hatte er nun wenig, während sein Ruf bei Timmy-Fans immer besser wurde.

Und so begann eine wochenlange Odyssee, während der die meiste Zeit jedoch augenscheinlich Stillstand herrschte. Pläne wurden geschmiedet und verworfen, Experten kamen und gingen – das wurde selbst Timmy langsam zu doof, der ganz nach dem Motto „Nicht mal in Ruhe sterben kann man hier!“ seine Sandbank verließ, nur um kurz danach erneut zu stranden – leider weiterhin in Backhaus‘ Zuständigkeitsbereich.

Die Timmy-Liebe nimmt seltsame Formen an

Erwähnenswert bei dieser ganzen Situation ist der Hype um den Wal, der schwer nachvollziehbare Formen annahm. Warum nahm beispielsweise eine Frau aus München die Reise bis zum Timmendorfer Strand auf sich, nur um zu Timmy zu schwimmen? Woher kam diese plötzliche Verbundenheit, die plötzlich alle zu Hobby‑Walexperten machte, während die Einschätzungen von echten Experten zurückgewiesen wurden?

Es ist heutzutage natürlich nicht mehr schwer, irgendwo eine „Expertenmeinung“ zu finden, die den eigenen Hoffnungen und Wünschen entspricht. Vor allem, wenn man ChatGPT oder andere KI‑Chatbots als Quelle nutzt, standen Timmys Chancen natürlich sehr gut – selbst jetzt, nach seinem bestätigten Tod, würde einem die sehr gefällige KI die Hoffnung wohl nicht komplett nehmen.

Und daher ist es wohl auch irgendwie passend, dass der Wal „Hope“ und nicht „Facts“ genannt wurde, denn das ganze Unterfangen wurde ausschließlich von Hoffnungen getragen. Dass der Ex‑Hells‑Angels‑Rocker Danny Hilse als selbsternannter Walflüsterer am Ende zum harten Kern der Rettungsaktion gehörte, fasst die Lage recht gut zusammen.

Bei einem ernstzunehmenden, erfolgsversprechenden Rettungsversuch hätte man es vielleicht nicht erlaubt, dass Personen ohne nachzuweisende Kenntnisse daran beteiligt sind, aber wenn es eh nur darum geht, potenzielle Wähler glücklich zu machen, gestattet Till Backhaus natürlich auch zweifelhafte Internetprominenz in seinem engsten Kreis.

Das Ende der Timmy-Ära ist nun auch bezeichnend: Als vor der dänischen Küste ein toter Buckelwal entdeckt wurde, ging es in den sozialen Medien allein um die Frage, ob es sich dabei wohl um Timmy handelt oder nicht. Von Mitleid für den Wal an sich war wenig zu spüren, zumindest, als noch nicht klar war, dass es „unser“ Wal ist.

Mal sehen, ob nun irgendein Millionär nun das nötige Geld locker macht, um Timmys Kadaver aus Dänemark zurück nach Deutschland zu holen. Vielleicht bekommt er dann ja doch noch einen Ehrenplatz im Museum.