Fehlbildung

Teratome: Symptome, Häufigkeit und Ursache

Das Teratom gehört zu den gefürchtetsten Krankheiten der Welt. Nicht etwa wegen ihrer Häufigkeit, sondern vielmehr wegen der horrorhaften Symptome: Geschwülste mit Zähnen, Haaren, Häuten oder Muskeln.

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Schreckbild, Monster, Ungeheuer - das bedeutet teras auf Griechisch. Die auf diesem Wort basierende Krankheit verheißt nichts Gutes. Ein Teratom ist ein Tumor, der Keimzellen bildet. Das Mischgeschwulst entwickelt sich aus pluripotenten Stammzellen, aus denen sich beispielsweise auch ein Embryo entwickelt. Dadurch ist es möglich, dass sich an dem Ort des Geschwulstes Gewebe bilden, die an dieser Stelle sonst nicht wachsen würden, wie etwa Zähne, Herzmuskelzellen oder Haare.

Teratom - Was ist das?

Das hört sich alles ziemlich gruselig an, kann aber in seltenen Fällen passieren - und meist sind Teratome bei Frauen auch gutartig. Bösartige Tumore (Teratokarzinome) kommen in dieser Form nur selten vor. Die pluripotenten Stammzellen nennen sich so, weil aus ihnen alle Zellarten gebildet werden können, die sogenannten drei Keimblätter, aus denen der Mensch aufgebaut ist - sie sind noch nicht auf einen bestimmten Zelltyp festgelegt (bspw. Hautzelle, Gehirnzelle, , Knochen, Knorpel, Nervenzelle, etc.).

Die Fähigkeit dieser Stammzellen, sich quasi beliebig zu entwickeln, sorgt letztlich dafür, dass es dann zu einer Geschwulst kommen kann, die ein kleines Gehirn enthält oder Zähne hat. Fast immer sind auch Haare an den Tumoren zu finden, manchmal auch hautähnliche Strukturen. Das sorgte früher oft für Entsetzen, heutzutage wird aber daran geforscht, wie man Stammzellen dazu bringen kann, sich in eine gewünschte Richtung zu entwickeln - also quasi ein Teratom, das aber nicht wuchert, sondern so wächst wie gewünscht, wie der Wiener Arzt Wolfgang Grin dem ORF berichtet. Das wäre also eine Art Ersatzteillager für den Menschen.

Unterschieden werden Teratome in reife Teratome und unreife Teratome. Reife Teratome sind dabei häufiger und deutlich seltener gefährlich. Ein reifes Teratom kann, da es nicht bösartig ist, auch nicht bei einem Krebsabstrich entdeckt werden. Entdeckt werden Teratome meist erst ab einem Alter von 15 Jahren, da sie in der Pubertät anfangen zu wachsen. Die meisten Tumore dieser Art werden bei jungen Frauen in einem Alter von 15-30 Jahren entdeckt, also als wachsendes Teratom.

Teratome an Eierstock und Hoden

Teratome entwickeln sich am häufigsten an Eierstöcken (in 97 Prozent der Fälle gutartig) oder im Hoden (meist bösartig). Weitere typische Körperstellen für Teratome sind

  • Steißbein
  • Gehirn
  • Zentralnervensystem
  • Halsweichteile
  • Mittelfellraum (Brusthöhle)
  • Baucheingeweide (z.B. Bauchspeicheldrüse, Darm)

Theoretisch können Teratome jedoch an jeder Körperstelle entstehen. Zudem existiert auch das sogenannte fertiforme Teratom. Dieses Teratom ähnelt einem Fötus.

Was ist ein Teratom-Zwilling?

Ein Teratom-Zwilling, auch Zwillingsgeschwür genannt, ist ein umgangssprachlicher, veralteter Begriff für ein Teratom, in dem ein quasi fertig ausgebildeter, winziger Fötus zu finden ist. Wobei die Bezeichnung nicht korrekt ist, da es sich bei einem Teratom nicht um einen echten Zwilling aus Geschlechtszellen handelt.

Ein sogenannter Teratom-Zwilling ist eigentlich eine exakte Kopie von uns selbst. Es ist insofern eher ein zweites Ich als ein Zwilling. 

Ursache und Symptome eines Teratoms

Teratome sind in der Regel angeboren, kommen aber häufig erst im Erwachsenenalter zum Vorschein. Nur selten wird ein Teratom schon im Säuglingsalter erkannt. Befindet sich das Teratom im Bauchraum, nimmt der Bauchumfang des Betroffenen zu. Im Unterbauch dagegen entsteht eine Wölbung, auch die Psyche kann vom Teratom verändert sein. Weitere Symptome von Teratomen können sein:

  • Störungen beim Urinieren und beim Stuhlgang (z.B. Brennen, Schmerzen)

  • Druckgefühl und Schmerzen (z.B. wenn das Teratom gegen Nerven oder Organe drückt)

  • ggf. unregelmäßiger Monatszyklus

  • chronische Kopfschmerzen, Schwindelgefühl (bei Teratomen im Gehirn)

  • Schilddrüsenüberfunktion (bei Teratomen in Eierstöcken)

  • Stimmungsschwankungen, psychische Beschwerden / Depressionen - ein Teratom kann die Psyche beeinflussen

Bei Teratomen handelt es sich um ein Gewebe, in dem

  • Haare

  • Zähne

  • Knochen

  • Knorpel

  • Drüsen (z.B. Schweißdrüsen, Talgdrüsen)

  • Hirngewebe

  • Schilddrüsengewebe

  • Leberzellen

  • Nierenzellen

  • Herzmuskelzellen

enthalten sein können. Im Fall von Zähnen kann ein Teratom radiologisch (also z.B. per CT) erkannt werden. Seltener kommen in Teratomen auch Augen, Hände, Füße oder Organe vor.

Ein Teratom besteht aus einem zystenartigen Hohlraum, der mit einer milchigen oder schleimigen Flüssigkeit und Haaren gefüllt ist. Platzt ein Teratom im Bauchraum auf, kann es zu Bauchfellentzündungen führen.

Aktuell vermuten Wissenschaftler, dass Teratome Keimzellen sind, die während der Embryonalentwicklung an einen falschen Ort am Körper gelangt sind. Eine weitere Ursache für Teratome kann eine Verschleppung von Keimzellen sein, z.B. während einer Operation oder durch eine schwere Verletzung.

Häufigkeit von Teratomen

Teratome kommen relativ selten vor. Allerdings kann man sich vor einem Teratom nicht schützen, da er spontan entsteht. Teratome werden durch medizinisches Abtasten, Ultraschall- oder Röntgenuntersuchungen erkannt und durch eine histologische Untersuchung einer Gewebeprobe (lokale Betäubung) bestätigt. Auch Blutuntersuchungen können auf Teratome hinweisen, etwa durch einen erhöhten Wert der Tumormarker bHCG, AFP oder LDH.

Teratom-Behandlung: Was nach der Diagnose passiert

Gutartige Teratome - sogenannte reife Teratome -  können in der Regel operativ entfernt werden. Dabei wird häufig auch das benachbarte Gewebe und nahegelegene Lymphknoten abgetrennt. Bei Männern muss der befallene Hoden entfernt werden. Bösartige Teratome müssen neben einem operativen Eingriff oft mit einer (Cisplatin-basierter) Chemotherapie einhergehen.

Bekannte Fälle von Teratom-Patienten

  • In Deutschland stießen Ärzte bei einem Fötus auf ein Teratom. Es enthielt ein Auge, Knochenfragmente, Muskeln und Knorpelgewebe.

  • In Japan entdeckten Ärzte bei einer 16-jährigen Patientin ein Teratom im Eierstock. Das Teratom enthielt ein drei Zentimeter großes Kleinhirn, das von einer dünnen Knochenschicht umgeben war.

  • In den USA wurde bei einer 26-jährigen Frau ein Teratom im Gehirn entdeckt. Es enthielt Knochen, Zähne und Haare.

  • In Brasilien wurde einer 25-jährigen Frau ein Teratom aus dem Eierstock entfernt. Es enthielt Zähne, Haare und Fettgewebe.

  • In Iran wurde einem 19-jährigen Patienten eine Teratom-Zyste aus dem Auge entfernt, auf dem Haare wuchsen.

  • Auf Zypern diagnostizierten Ärzte bei einer 45-jährigen Britin ein zehn Zentimeter großes Teratom im Eierstock. Es hatte schwarze Haare und ähnelte einem Fötus.

  • In Colorado (USA) entdeckten Ärzte ein Teratom im Gehirn eines Babys. Es enthielt zwei verformte Füße und eine teilweise geformte Hand.

  • In Saudi-Arabien fanden Ärzte im Bauch eines Babys ein haariges Teratom. Es enthielt Fußsohlen, Hirngewebe und einen 15 Zentimeter großen Darm.

  • In Maryland (USA) wurde einem Kleinkind ein Teratom aus dem Gehirn operiert. Es enthielt Unterkieferzähne.

Artikelbild und Social Media: magicmine/iStock