Symptome & Ursachen

Genitalwarzen: Alles, was du über die Geschlechtskrankheit wissen musst

Feig- oder Genitalwarzen sind eine häufige Geschlechtskrankheit. Wir haben mit einer Expertin über Ursachen, Symptome und Heilungsmöglichkeiten gesprochen.

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Syphilis, Tripper oder HIV sind bekannte Geschlechtskrankheiten. Über eine Art wird jedoch wenig berichtet: Die Feig- oder Genitalwarzen, in der Fachsprache auch Kondylomen genannt. Dabei gelten sie als die häufigste sexuell übertragbare Krankheit, der eine Infektion mit den Humanen Papillomaviren (HPV) vorausgeht. Die Folge bei einer Ansteckung: Der Körper reagiert auf die Infektion mit einer Verdickung der obersten Hautschicht (Oberflächenepithels). Daraus entstehen Warzen, die oftmals genital oder um den After herum auftreten. Auch Knubbel an den Schamlippen können ein Anzeichen dafür sein.

In Deutschland sind etwa 1 Prozent der etwa 34 Millionen sexuell aktiven Menschen (also 350.000) zwischen 15 und 45 Jahren von der Geschlechtskrankheit betroffen. Zum Vergleich: Die Syphilis-Erkrankungen belaufen sich laut Robert-Koch-Institut auf etwa 7.500.

Wir haben mit Dr. Frau Dr. Sylke Schneider-Burrus, Chefärztin der Dermatochirurgie in der Berliner Havelklinik, über Genitalwarzen gesprochen.

Frau Dr. Sylke Schneider-Burrus, Genitalwarzen sind die häufigste Geschlechtskrankheit – und immer noch ein Tabuthema. Warum?

Genitalwarzen werden mit Unsauberkeit und vielen wechselnden Geschlechtspartnern in Verbindung gebracht. Sich wegen Genitalwarzen in Behandlung zu begeben, ist ähnlich stigmatisiert, wie andere sexuell übertragbare Erkrankungen.

Sind Menschen, die häufig ihren Geschlechtspartner wechseln, denn gefährdeter?

Hier verhält es sich ähnlich wie bei einer Verlosung: Die Wahrscheinlichkeit, einen Preis zu gewinnen, steigt mit der Anzahl der erworbenen Lose. Ebenso erhöhen häufig wechselnde Geschlechtspartner das Risiko, HPV zu bekommen und somit Feigwarzen zu entwickeln. In seltenen Fällen können die Viren durch Matratzen oder Handtücher übertragen werden. Wer zuvor eine geschädigte Hautbarriere hat - z.B. durch eine Pilzinfektion, ein Ekzem oder eine Verengung der Vorhaut -, ist besonders gefährdet für Genitalwarzen. 

Welche Symptome zeigen sich bei Genitalwarzen?

Am Anfang finden sich spitze, weiche Knötchen auf der Haut, die sich rasch vermehren und zu beetartigen, warzenförmigen Wucherungen zusammenwachsen. In seltenen Fällen können sich große, warzige Knoten entwickeln, sogenannte Hahnenkamm-Tumore. Schmerzhaft sind Genitalwarzen übrigens in der Regel nicht. Wenn es allerdings zu einer zusätzlichen bakteriellen Infektion kommt, kann es weh tun.

Aber können Genitalwarzen gefährlich werden für den Menschen?

Ja, denn in einigen Fällen werden Kondylome durch krebserregende HPV-Typen erzeugt. Dann steigt das Risiko für eine Krebserkrankung an dieser Stelle und es sollte eine sorgfältige Nachsorge stattfinden. In jedem Fall ist es wichtig, bösartige Erkrankungen von Feigwarzen zu unterscheiden, die sehr ähnlich aussehen können. Zum Beispiel kann ein Analkarzinom, also eine Krebserkrankung der Haut des Afters, sehr ähnlich aussehen wie Feigwarzen.

Und wie kann man Genitalwarzen behandeln?

Es gibt konservative und operative Behandlungsmöglichkeiten. Konservativ können verschiedene Lösungen und Cremes therapeutisch eingesetzt werden, die das Immunsystem stimulieren und gleichzeitig die Zellteilung hemmen. Das kann zu einer Schrumpfung der Hautwucherungen führen. Die lokal anwendbaren Medikamente können vom Patienten selbst aufgetragen werden und führen meistens zum Verschwinden der Warzen.

Wenn sehr große Flächen betroffen sind oder aber konservative Methoden nicht erfolgreich waren, kommen chirurgische Mittel zum Einsatz. Die oberflächlichen Hautschichten werden dann entfernt ohne die tieferliegende Lederhaut zu verletzen. Besonders geeignet sind Laserverfahren, die gezielt die obersten Hautschichten verdampfen können, oder die sogenannte Elektrokauterisation, die ähnlich wie der Laser eine Abtragung der obersten Hautschichten ermöglicht. Ist bei Männern die Vorhaut sehr stark betroffen, ist eine Beschneidung sinnvoll. Allerdings muss man beachten, dass die Wahrscheinlichkeit eines Wiederauftretens nach chirurgischen Verfahren relativ hoch ist, sodass bei ausgedehntem Befall eine Nachbehandlung mit den oben genannten medikamentösen Therapien sinnvoll ist.

Wie kann man – mal abgesehen von der Verhütung mit Kondomen - Genitalwarzen vorbeugen?

Durch die seit einigen Jahren empfohlene Impfung von Kindern und Jugendlichen mit einem inzwischen 9-valenten Impfstoff gegen HPV, werden wir in der Zukunft hoffentlich immer weniger Kondylome finden. Dieser Impfstoff schützt nämlich nicht nur vor den krebserregenden HPV-Typen, sondern auch vor den häufigsten Erregern von Kondylomen.

Übrigens: Wenn keine Kondylome mehr sichtbar sind, heißt es nicht, dass auf Kondome verzichtet werden kann, da eine Ansteckungsgefahr immer noch besteht. Bis zu einem halben Jahr nach Abheilung sollte ein Kondom beim Geschlechtsverkehr zum Einsatz kommen, um den*die Partner*in nicht zu infizieren. Außerdem ist eine gute Hautpflege genital und anal wichtig, damit es den Viren nicht zu leicht gemacht wird. 

Wir danken Ihnen für das Gespräch!

Artikelbild & Social Media: luismmolina/iStock

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