Keine Hoffnung mehr

Ostsee-Wal Timmy erlösen? Experten diskutieren Lösung: „Ihm den Kopf wegzusprengen“

Buckelwal Timmy ringt mit dem Tod. Warum Experten trotz Leidensdruck keine aktive Tötung erwägen.

Eine Frau mit Fernglas schaut nach rechts, im Wasser hinter ihr ist Buckelwal Timmy zu sehen.
Für Timmy kann nichts mehr getan werden. Foto: IMAGO / Marc Stinger
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Der vor Wismar in der Ostsee gestrandete Buckelwal befindet sich nach Einschätzung von Fachleuten im Sterbeprozess. Dass das Tier kaum noch auf Boote reagiert, wertet Bianca König von der Tierschutzorganisation Whale and Dolphin Conservation (WDC) Deutschland als deutliches Zeichen. Wie lange dieser Zustand andauert, lasse sich jedoch nicht exakt vorhersagen.

„Der Wal hat mehrere Baustellen, die ihn beeinträchtigen und dafür sorgen werden, dass er sterben wird.“ Es könne noch am selben Abend geschehen – oder erst in einigen Tagen. Ein klares Indiz für den Tod sei, wenn das Tier länger als eine Stunde nicht mehr atme.

Warum der Wal kaum Überlebenschancen hat

Das größte Problem ist laut Expertin das enorme Gewicht des Tieres in Kombination mit der geringen Wassertiefe. Wale sind auf Auftrieb angewiesen, um ihre Organe zu entlasten. Fehlt dieser, lastet das Eigengewicht zunehmend auf dem Körper.

„Wale brauchen die Schwerelosigkeit im Wasser, das Gewicht wird immer weiter auf die Organe drücken, das führt zu Organversagen und Kreislaufkollaps“, erklärte König. Entscheidend sei, wie viel Auftrieb noch vorhanden sei und in welchem Gesamtzustand sich das Tier befinde.

Hinzu kommen schwere Hautschäden durch den niedrigen Salzgehalt der Ostsee. Die Haut reißt auf, es bilden sich Blasen, die von Möwen angepickt werden. In der Folge können sich Pilze und Bakterien ausbreiten und den geschwächten Organismus weiter belasten.

Auch ein mögliches Fischereinetz im Maul spielte zuletzt eine Rolle. Zwar wurde ein großer Teil bereits entfernt, doch Reste könnten weiterhin im Körper des Wals sein.

Eine weitere diskutierte Option – das Erschießen – wurde ebenfalls ausgeschlossen. Treffsicherheit und Wirkung seien bei einem so großen Tier schwer einzuschätzen. Mehrere Schüsse wären möglicherweise nötig, was zusätzliches Leid verursachen könnte.

Warum Einschläfern keine Lösung ist

Die Idee, das Tier einzuschläfern, wurde geprüft – aber verworfen. Der Grund: fehlende praktische Erfahrung bei so großen Meeressäugern.

Es besteht das Risiko, dass die nötigen Medikamente falsch dosiert werden. „Man kann nicht ausschließen, dass er die Tötung bei vollem Bewusstsein miterlebt“, sagte König. Auch eine Überdosierung könne zu schweren Komplikationen führen.

Im Idealfall würden Tiere zunächst sediert und dann friedlich eingeschläfert. Beim gestrandeten Wal könne das jedoch nicht zuverlässig gewährleistet werden.

Die radikalste Idee: Sprengung des Kopfes

Als drastischste Maßnahme wurde auch eine Sprengung des Kopfes diskutiert. Ein Sprengsatz unter dem Kopf könnte das Tier vermutlich schnell töten.

„Die radikalste, aber wahrscheinlich effektivste Methode wäre es, einen Sprengsatz unter den Kopf zu legen und den Kopf zu sprengen“, sagte König. Dennoch sei dies ethisch nicht vertretbar – auch wegen der anwesenden Schaulustigen. Zudem könnte der Körper so stark beschädigt werden, dass wichtige wissenschaftliche Untersuchungen unmöglich würden.

Entscheidung gefallen: Kein Eingreifen

Am Ende fiel die Entscheidung klar aus: Keine der drei Optionen wird umgesetzt.

„Alle drei Möglichkeiten der aktiven Tötung wurden ausgeschlossen, und entschieden, den Wal auf natürliche Weise sterben zu lassen“, betonte König.

Auch Rettungsversuche wurden eingestellt. Fachleute halten die Erfolgsaussichten für zu gering. Ein Eingreifen – etwa durch Anheben mit Gurten – könnte sogar weitere schwere Verletzungen verursachen.

Die Vorbereitungen laufen

Der Wal gilt als „schwerstkrank“, wie Mecklenburg-Vorpommerns Umweltminister Till Backhaus (SPD) erklärte. Neue Verletzungen, die möglicherweise von einer Schiffsschraube stammen, verschärfen die Lage zusätzlich.

Aktuell ist bekannt: Das Tier misst 12,35 Meter und wiegt rund zwölf Tonnen. Dieses enorme Gewicht hat es bereits tief in den Meeresboden gedrückt.

Die Behörden bereiten sich inzwischen auf den Tod des Wals vor. Der Kadaver soll nach Stralsund gebracht und dort untersucht werden. Das Skelett könnte später der Forschung dienen.

Quellen