Geschwisterliebe kennt keine Grenzen

Ich bekam das Baby meines Bruders

Diese Geschwisterliebe kennt keine Grenzen: Eine junge Mutter erzählt wie sie das Baby ihres Bruders bekam...

Diese Geschwisterliebe kennt keine Grenzen: Eine junge Mutter erzählt wie sie das Baby ihres Bruders bekam...
Foto: damircudic / iStock

Wie stark das Band zwischen den Halbgeschwistern Chapelle und Scott Cooper aus Cumbria (England) ist, war nicht immer klar. Als Kinder ärgerten sie sich oft, als Teenager hatten sie unterschiedliche Interessen. Doch da war immer diese tiefe, bedingungslose Liebe zwischen ihnen, das unausgesprochene Versprechen: Wir sind immer füreinander da. Ein Versprechen, das Chapelle einlöste, als ihr Scott von seiner größten Sorge erzählte…

„Als Scott sagte, dass er wohl niemals ein Papa werden würde, blutete mein Herz“

Dass Scott auf Männer steht, war lange ein Geheimnis. Erst als er mit Mitte 20 den Grundschullehrer Michael Smith kennenlernt und sich in ihn verliebt, kann er offen zu seiner Homosexualität stehen. Nach vier Jahren heiraten sie. „Ich freute mich so sehr für Scott. Michael gab ihm das letzte bisschen Selbstbewusstsein, das ihm gefehlt hat“, erinnert sich Chapelle und gibt zu: „Immer wenn ich die beiden zusammen erlebt habe, war ich danach fast ein bisschen neidisch, weil sie so ein perfektes Paar sind.“ Denn Chapelle hat in der Liebe weniger Glück: Von dem Vater ihrer Tochter trennt sie sich kurz nach der Geburt, seitdem ist sie alleinerziehende Mutter. Doch Scott spielt eine große Rolle im Leben der kleinen Ivy (5), regelmäßig besucht er sie und Chapelle, steht ihnen immer mit Rat und Tat zur Seite.

Bei einem dieser Besuche erzählt er seiner Schwester, dass er und Scott sich auch ein Kind wünschen und sich bereits über Adoption informiert hätten. Doch die ist für schwule Paare extrem kompliziert – nicht gleichgeschlechtliche Paare werden noch immer bevorzugt. Auch über das Thema Leihmutterschaft hätten sie gesprochen, doch auch hier ist der Weg kompliziert und außerdem teuer. „Als Scott sagte, dass er wohl niemals ein Papa werden würde, blutete mein Herz“, sagt Chapelle.

„Wir mussten alle weinen, als ich schwanger war“

Lange denkt sie über das Gespräch nach, immer wieder. Dann lädt sie Scott und Michael zum Abendessen ein: „Als ich anbot, dass ich ihre Leihmutter sein könnte, dachten sie, ich mache Witze.“ Doch es ist ihr voller Ernst. In den kommenden Monaten trifft sich das Trio regelmäßig, um Möglichkeiten und Szenarien zu besprechen. „Scotts und Michaels größte Sorge war: Was, wenn ich das Baby nicht hergeben kann? Doch für mich war von Anfang an klar: Das wird zwar meine Eizelle, aber nicht mein Kind sein.“

Drei Monate später wird Chapelle per Insemination mit Michaels Sperma befruchtet. Es klappt nicht, zwei weitere Versuche sind nötig, bis die 27-Jährige schwanger ist. „Als ich den beiden von dem positiven Testergebnis erzählte, mussten wir alle drei vor Freude weinen.“ Und auch Chapelles Tochter Ivy freut sich: „Ich habe ihr erklärt, dass ich das Baby ihres Onkels im Bauch habe, weil er sonst niemals eins haben könnte. Ich weiß nicht warum, aber sie hat es sofort verstanden.“

Als die kleine Harper das Licht der Welt erblickt, sind Michael und Scott im Kreißsaal dabei. Michael darf die Nabelschnur durchschneiden, dann legt Chapelle das Baby in die Arme ihres überglücklichen Bruders. „Ein unbeschreibliches Gefühl“, so die Britin. „Es war die richtige Entscheidung.“ Eine, die sie bis heute nicht bereut hat. „Ich bin jetzt Harpers Tante, nicht ihre Mutter. Aber ich werde in ihrem Leben eine große Rolle spielen – so wie Scott in meinem Leben und in dem meiner Tochter Ivy. Das ist für mich Familie!“

Im Video: Möchtest du ein Kind? Pro & Contra

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Autor: Redaktion Closer

Artikelbild & Social Media: damircudic / iStock