Saugverwirrung: So erkennst und behebst du eine Saugverwirrung
Dein Baby verweigert die Brust? Wir erklären, wie du eine Saugverwirrung beheben und verhindern kannst.

Stillen kann wunderbar und zugleich verdammt herausfordernd sein. Vor allem in den ersten Tagen und Wochen müssen sich Mama und Kind noch einspielen. Die richtige Stillposition zu finden, ist gar nicht so einfach. Zudem haben viele Mütter Schmerzen, wenn das Neugeborene an der Brustwarze saugt oder fragen sich, weshalb das Kind über mehrere Stunden an der Brust möchte. In seltenen Fällen kann es auch zu einer Saugverwirrung kommen. Aber was genau ist das eigentlich und wie lässt sich eine Saugverwirrung beheben?
Saugverwirrung: Nur ein Mythos? Das steckt hinter dem Begriff
Wenn frau zum ersten Mal Mama wird, ist das mit vielen Unsicherheiten verbunden. Ungefragte Tipps von allen Seiten kommen gerne. Darunter auch dieser:
„Vielen Müttern, die stillen, wird am Anfang empfohlen, dem Kind weder einen Schnuller noch ein Fläschchen anzubieten. Das Kind könnte dadurch eine Saugverwirrung entwickeln und wäre dann nicht mehr in der Lage, effektiv zu stillen“, erzählt die Erzieherin und Psychologin Nele Hillebrandt aus Niedersachsen in ihrem Buch „Mama sein: Was Babys wirklich brauchen. Der entspannte Weg ins Familienleben“. Aber ist da wirklich etwas dran?
Die US-amerikanische Kinderärztin Marianne R. Neifert beschrieb 1995 erstmals das Phänomen „nipple confusion“, bei der Säuglinge nicht mehr aus der Brust trinken. In Deutschland etablierte sich der Begriff der „Saugverwirrung“. Neifert unterschied zwei Haupttypen: Säuglinge, die eine falsche Saugtechnik an der Brust entwickeln, und Säuglinge, die die Flasche der Brust vorziehen.
Hintergrund: Das Baby braucht für das Trinken an der Flasche nur den Mund öffnen und kann ohne Vakuum und Sauganstrengung die Milch trinken. Beim Stillen muss das Baby hingegen mehr Arbeit mit dem Mund leisten, um die Brustwarze und den Warzenhof zu fassen und einen Milchfluss zu erzeugen.
Saugverwirrung ist also kein Mythos, doch nicht jedes Baby, das früh einen Sauger im Mund hat, entwickelt eine Saugverwirrung.
Es gibt einige Anzeichen, die auf eine Saugverwirrung hinweisen können. Diese sind laut Anja Stern und Marie Kuon, Hebammen aus Baden-Württemberg, folgende:
Das Baby stößt die Brustwarze aus dem Mund aus und kann diese nicht einziehen
Die Saugbewegung ist ineffektiv und schwach
Das Baby öffnet den Mund nicht ausreichend weit, damit die Brustwarze und der Brustwarzenvorhof in den Mund gelangen kann
Das Baby wartet auf den Sauger einer Flasche, der das Saugen am Gaumen auslöst und beginnt dann erst effektiv zu saugen
Die Mutter hat wunde Brustwarzen und eine nachlassende Milchproduktion
Das Baby lehnt die Brust ganz ab, weint und bäumt sich auf
Saugverwirrung durch Flasche: So kannst du es verhindern
Wenn Frauen ergänzend zum Stillen auch Milch abpumpen, sorgen sich viele Mütter, dass das Baby die Brust plötzlich ablehnen könnte.
„Viele Babys können problemlos zwischen Flasche und Brust wechseln", sagt Nicole Fröhlich, ausgebildete Kinderkrankenschwester sowie Still- und Laktationsberaterin bei Medela, gegenüber Wunderweib.de. „Die Voraussetzung ist jedoch, dass die Stillbeziehung zwischen Mutter und Kind bereits gefestigt ist.“
Haben sich Mutter und Kind nach etwa sechs bis acht Wochen eingespielt, stelle in der Regel auch das Füttern der abgepumpten Muttermilch mit einem Fläschchen kein Problem dar und der Wechsel gelinge gut.
Nadja Sköries, Hebamme aus Hessen, erzählt in einem YouTube-Video, dass sie eine Saugverwirrung bisher nur äußerst selten erlebt habe. Viel häufiger komme es vor, dass Babys ausschließlich an der Brust trinken wollen und die Flasche verweigern.
Saugverwirrung durch Schnuller verhindern
Damit das Baby seinen natürlichen Saugreflex nicht verlernt, empfehlen Expert*innen stillenden Müttern wie oben beschrieben, die Flasche in den ersten sechs bis acht Wochen wegzulassen – gleiches gilt für den Schnuller. „Die Gefahr einer Saugverwirrung ist in den ersten sechs bis acht Wochen am größten“, bestätigt Nele Hillebrandt.
Der Grund: Bekommt das Neugeborene zu früh einen Schnuller kann es sein, dass es die Saugtechnik durch den künstlichen Sauger „verlernt“. Denn beim Schnuller muss das Baby schließlich nur nuckeln – nicht trinken.
Die sicherste Prävention einer Saugverwirrung ist also, in den ersten Wochen auf alternative Sauger zu verzichten und ausschließlich die Brust anzubieten.
Dein Baby möchte partout nicht mehr aus der Brust trinken? Dann ist zunächst einmal Ruhe und Geduld gefragt. Bei einer Saugverwirrung kannst du folgendes probieren:
Vor dem großen Hunger stillen: Lege dein Baby an, bevor es zu hungrig ist, d. h. schon bei dem ersten Anzeichen von Hunger. Dann hat es mehr Geduld.
Milchspendereflex anregen: Normalerweise wird der Milchfluss durch das Saugen des Babys ausgelöst. Um den Milchspendereflex anzuregen, kannst du durch Stimulation der Brustwarzen – mit der Hand oder einer Milchpumpe – nachhelfen. So fließt die Milch, noch bevor du dein Baby anlegst.
Andere Stillposition ausprobieren: Der sogenannte C-Griff oder die Weiterentwicklung dessen, der DanCer-Griff, verbessert das Vakuum. Dabei formst du mit der Hand ein "U" um den Unterkiefer und die Wangen deines Babys, während du die Brust mit den anderen Fingern stützt. Auf diese Weise wird der Kiefer stabilisiert, eine größere Mundöffnung gefördert und der Milchtransfer erleichtert.
Das Stillen will einfach nicht klappen? Hole dir Hilfe von einer professionellen Stillberaterin und pumpe die Milch in der Zwischenzeit ab. Dein Baby bekommt dann erstmal die Flasche. Vor allem aber: Mach dir bitte keine Vorwürfe und bedenke: Dein Baby lehnt nicht dich ab, sondern wählt die für es einfacherer Trinktechnik.
Saugverwirrung durch Stillhütchen
Manchmal will das Trinken an der Brust einfach nicht klappen – etwa, weil das Baby die Brustwarze nicht greifen kann. Dann kann ein Stillhütchen helfen, da es eine ausgeprägte Brustwarzenform im Mund des Kindes imitiert. Auf diese Weise kann das Baby leichter saugen, die Milch fließt schneller. Doch kann der Silikonaufsatz zu einer Saugverwirrung führen?
Nicht unbedingt. Es kann sein, dass dein Baby die einfachere Saugtechnik durch das Stillhütchen dem anstrengenderen Brustsaugen vorzieht, sprich: Ohne Stillhütchen geht nichts mehr. Möchtest du das Hütchen loswerden, kann das ein schwierigeres Unterfangen sein. Eine Saugverwirrung muss deshalb aber nicht zwingend vorliegen. Sprich aber in jedem Fall mit deiner Hebamme, bevor du ein Stillhütchen benutzt.
Quellen
Nele Hillebrandt: „Mama sein: Was Babys wirklich brauchen. Der entspannte Weg ins Familienleben“ (7. Januar 2019), Humboldt Verlag, 224 Seiten
Nadja Sköries: https://www.youtube.com/watch?v=NGJtwJ8pWb4
Anja Stern und Marie Kuon, Hebammen: https://hallohebamme.de/wenn-sich-das-saugverhalten-aendert/
Artikelbild und Social Media: iStock/Amanda Caroline da Silva






