Stressabbau bei Kindern: Was Eltern jetzt wissen müssen und tun können
Es gibt typische Anzeichen, die darauf hindeuten, dass dein Kind gestresst ist. Wie Eltern den Stressabbau bei Kindern fördern und Stress vorbeugen können, erklärt eine Expertin.
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- Wie entsteht Stress eigentlich?
- Stress bei Kindern: Das sind die Gründe
- Wie erkenne ich, dass mein Kind gestresst ist?
- Ist mein Kind gestresst? Diese Fragen bringen Klarheit
- Diese Fragen kannst du deinem Kind stellen
- So kannst du den Stressabbau deines Kindes unterstützen
- Stressabbau bei Kindern zwischen 0 bis 3 Jahre
- Stressabbau bei Kindern zwischen 3 bis 6 Jahren
- Stressabbau bei Kindern zwischen 6 und 10 Jahren
- Kinder ab 11 Jahren und Jugendliche
- Atemübungen und Entspannungsspiele für Kinder (mit Schritt-für-Schritt-Anleitung)
- Wann professionelle Unterstützung sinnvoll ist – und warum
- An wen kann ich mich wenden, wenn ich mir Sorgen um mein Kind mache?
Einer Umfrage der DAK-Gesundheit zufolge aus dem Jahr 2018/2019 empfinden 42 Prozent der befragten Kinder und Jugendlichen im Alter zwischen 10 und 17 Jahren in Deutschland oft oder sehr oft Stress. Der Anteil nehme laut Studie mit dem Alter zu. Die Gründe sind vielfältig: Hoher Leistungsdruck in der Schule, Schlafmangel, zu wenig Freizeit sowie eine Bildschirmnutzung von über vier Stunden täglich.
Doch auch Kleinkinder und Babys können Stresssymptome zeigen, etwa durch Reizüberflutungen oder durch einen zu vollen (Hobby-)Kalender. Familiencoachin Julia Mensing erklärt, was Eltern tun können, um den Stressabbau bei ihrem Kind zu fördern und wie sich Stresssymptomen vorbeugen lässt.
Wie entsteht Stress eigentlich?
Stress haftet ein negatives Image an. Biologisch gesehen ist Stress „ein uraltes Schutzprogramm unseres Körpers“, sagt Julia Mensing. In der Steinzeit konnte schließlich an jeder Ecke ein Säbelzahntiger auftauchen.
Empfinden wir Stress, passiert Folgendes im Körper: Bei einer Situation, die unser Gehirn als herausfordernd oder bedrohlich bewertet, schaltet es in den Alarmmodus. Die Stresshormone Cortisol und Adrenalin werden in rauen Mengen ausgeschüttet. „Herzschlag und Atmung beschleunigen sich, die Aufmerksamkeit wird fokussiert, die Feinmotorik schwindet und – ich finde, was unterschätzt wird: das Empathievermögen schwindet.“
Das erklärt zum Beispiel auch, warum es uns als Eltern manchmal schwerfällt, Ruhe zu bewahren und empathisch auf unser Kind einzugehen, wenn es auf dem Weg zur Kita oder in der Umkleide trödelt, wir aber unter Zeitdruck stehen.
„Heute gibt es keinen Säbelzahntiger mehr, aber unser Gehirn reagiert heute oft genauso auf Zeitdruck, Konflikte oder Überforderung wie damals auf echte Gefahr“, erklärt die Familiencoachin. Der Körper schaltet in den „Flucht oder Kampf“-Modus, dann entsteht Stress. Das Gehirn signalisiert: „Das ist gerade zu viel für mich.“
Stress bei Kindern: Das sind die Gründe
Was für Erwachsene harmlos erscheint, kann für Kinder extrem stressig sein. „Ein zu voller Tag, ein Streit im Kindergarten oder eine unklare Situation können das kindliche Nervensystem schon überfordern“, erläutert Julia Mensing.
Dabei erleben Kinder Stress meistens intensiver, weil ihr Gehirn noch mitten in der Entwicklung steckt. „Besonders der Bereich, der für Selbstregulation und Impulskontrolle zuständig ist, der präfrontale Cortex, reift erst bis in die frühen Zwanziger vollständig aus“, so die Expertin. Das bedeutet: Kinder haben Gefühle genauso stark wie Erwachsene, aber noch nicht die gleichen Möglichkeiten, sie zu regulieren. Das ist auch der Grund für (plötzliche) Wutanfälle bei Kleinkindern.
Typische Stressquellen für Kinder und Jugendliche laut Julia Mensing:
Reizüberflutung durch Lärm und Termine
Erhöhte Bildschirmzeit/ Mediennutzung
wenig Schlaf
Zeitdruck im Familienalltag
Konflikte mit Geschwistern oder Freund*innen
hohe Erwartungen von der Gesellschaft
Zu viele Hobbys oder solche, die dem Kind keine Freude bereiten
Besondere Übergänge (Kita-Start, Schulbeginn)
das Gefühl, nicht gesehen oder verstanden zu werden
Trennungen oder Veränderungen in der Familie
Stress der Eltern, der sich auf das Nervensystem des Kindes überträgt
Jugendliche stehen häufig unter sozialem Druck, Leistungsdruck und vor Identitätsfragen.
Wie erkenne ich, dass mein Kind gestresst ist?
„Kinder sagen selten: 'Ich bin gestresst'“, erklärt Julia Mensing. Oft zeige sich der Stress über ihr Verhalten. Die Anzeichen können je nach Alter unterschiedlich ausfallen: Während sich Stress bei kleinen Kindern und Babys eher durch körperliche Anzeichen, wie Weinen oder verstärkten Körperkontakt durch z. B. das Stillen, zeigen, äußert sich Stress bei Jugendlichen eher durch Rückzug, Gereiztheit oder Aggression.
Familiencoachin Julia Mensing hat für Wunderweib.de typische Stresssymptome aufgezeigt, die du dir in der folgenden Tabelle genauer anschauen kannst.
0–3 Jahre: Kleine Kinder reagieren vor allem körperlich; man spricht manchmal auch von „Regulationsschwierigkeiten“. | 3–6 Jahre: Manchmal wirken Kinder plötzlich wieder „kleiner“ und wollen wieder getragen werden oder mehr Nähe. | 6–10 Jahre: Schulkinder beginnen über Gefühle zu sprechen, zeigen Stress aber dennoch häufig indirekt. | Kinder ab 11 Jahren und Jugendliche: Stress wird oft stärker nach innen oder nach außen gelebt. |
|---|---|---|---|
viel Weinen oder Quengeln | Wutanfälle oder starke Emotionen | Bauch- oder Kopfschmerzen | Rückzug |
Schlafprobleme | Rückzug oder Anhänglichkeit | Lustlosigkeit in der Schule oder bei Hobbys | Gereiztheit oder Aggression |
häufiges Klammern | Bauchweh oder Kopfweh ohne medizinische Ursache (psychosomatische Schmerzen) | Reizbarkeit | starke Stimmungsschwankungen |
plötzliches Zurückfallen in Entwicklungsschritte (z. B. wieder mehr Stillen wollen) | häufige Konflikte mit anderen Kindern | Konzentrationsprobleme | Schlafprobleme |
schnelle Überforderung | sehr große Müdigkeit | Schlafprobleme | Überforderung mit Schule oder sozialen Beziehungen |
wenig Interesse am Spielen | mehr Streit mit Geschwistern | körperliche Beschwerden; psychosomatische Schmerzen |
Ist mein Kind gestresst? Diese Fragen bringen Klarheit
Neben den oben genannten Anzeichen, kannst du mit gezielten Fragen herausfinden, ob dein Kind gestresst ist und Handlungsbedarf besteht. „Offene Fragen signalisieren, dass sich Eltern für die Welt ihres Kindes interessieren“, sagt Julia Mensing. Dabei gehe es weniger darum, sofort herauszufinden, was genau das Problem sei, sondern erstmal Raum zu geben, damit das Kind erzählen könne.
Bei jüngeren Kindern lässt sich über ihren Gemütszustand meistens eher etwas im Spiel, bei Geschichten oder gemeinsamen Aktivitäten herausfinden, als über direkte Gespräche. „Während des Spielens, Malens oder Kuschelns erzählen Kinder häufig ganz nebenbei, was sie beschäftigt“, so die Familiencoachin. In solchen Momenten entstehe ein Gespräch auf natürliche Weise, ohne Druck, aber mit viel Verbindung.
Diese Fragen kannst du deinem Kind stellen
Hier sind zwei Beispiel-Fragen, die du deinem Kind stellen kannst:
Einstiegsfrage/Reflexionsfrage: „Gab es heute einen Moment, der sich irgendwie schwer angefühlt hat?“ oder „Hat dich heute etwas geärgert/traurig gemacht?“
Körperbezogene Frage: „Gab es heute etwas, bei dem dein Bauch oder dein Körper ganz angespannt war?“ oder „Hast du heute etwas erlebt, was sich im Hals oder Bauch nicht gut anfühlte?“
Ressourcenorientierte Frage: „Was hat dir heute gutgetan?“ oder „Wann hast du heute gemerkt, dass du etwas richtig gut geschafft hast?“
„Gerade ressourcenorientierte Fragen legen den Fokus auf die Stärken, was bei Kindern langfristig ihr Gefühl von Selbstwirksamkeit fördert“, erklärt Julia Mensing
So kannst du den Stressabbau deines Kindes unterstützen
Grundsätzlich beruhigen sich Kinder, die gestresst sind, durch die Co-Regulation der Eltern. Das bedeutet: Das Nervensystem des Kindes beruhigt sich über das Nervensystem des Erwachsenen.
„Auch Kuscheln und Nähe bleiben wichtige Stressregulatoren“, sagt Julia Mensing. „Ganz wichtig: Kinder brauchen auch Langeweile, damit ihr Nervensystem runterfahren kann; Teenager brauchen weiterhin emotionale Sicherheit, auch wenn sie das manchmal nicht zeigen.“
Wie du dein Kind altersgerecht beim Stressabbau unterstützen kannst? Julia Mensing hat im Folgenden konkrete Beispiele für jede Altersspanne für Wunderweib.de zusammengestellt.
Stressabbau bei Kindern zwischen 0 bis 3 Jahre
Das wichtigste Stressregulationssystem bei Babys und Kleinkindern ist die Bezugsperson. Hilfreich sind außerdem:
viel Körperkontakt
ruhige Routinen und vorhersehbare Tagesstrukturen
ausreichend Schlaf
gemeinsames Runterregulieren (Wiegen, Summen, Nähe)
möglichst wenig Hektik
Erste Hilfe im Alltag: Sofort-Tipps zum Stressabbau bei Kindern
Im Alltag bleiben Stressmomente nicht aus. Julia Mensing hat konkrete und allgemeine Sofort-Tipps für Eltern zusammengestellt, die beim Abbau von Stress bei Kindern helfen:
Verbindung vor Problemlösung: Bevor du Lösungen anbietest, nimm dir Zeit, wirklich präsent zu sein und eine Verbindung zu deinem Kind aufzubauen. Ein gestresstes Gehirn kann keine Lösungen verarbeiten, deshalb brauchen Kinder zunächst Verständnis und Nähe, bevor man über Lösungen spricht. Setz dich neben dein Kind, halte Blickkontakt oder berühre sanft die Hand oder Schulter. Ein paar Minuten Aufmerksamkeit und Zuhören können schon sehr beruhigend wirken.
Gefühle spiegeln und benennen: Aussprechen, was du wahrnimmst, zum Beispiel: „Ich sehe, dass dich das gerade sehr wütend macht“, „Das war heute viel für dich“ oder „Du wirkst gerade müde und angespannt.“ Kinder lernen so, ihre eigenen Gefühle zu erkennen und zu benennen.
Rituale und feste Ruhezeiten einführen: Regelmäßige Rituale, wie ein gemeinsamer Abendspaziergang, eine Gute-Nacht-Runde oder ein kurzes Atemritual vor dem Schlafengehen, schaffen Vorhersehbarkeit und Sicherheit und helfen, das Nervensystem zu beruhigen. Hilfreich können auch kleine Gesprächsrituale im Alltag sein. Zum Beispiel ein kurzer Austausch beim Abendessen, auf dem Heimweg oder beim Zubettgehen. Eine „Tagesrunde“ oder eine „Hochs & Tiefs“-Runde in der jede Person erzählt, was heute schön war und was schwierig war, hilft Kindern als Ritual, um Stressquellen zu identifizieren und um den Tag zu verarbeiten.
Druck rausnehmen: Mehr Pausen helfen, wenn Kinder gestresst sind. Denn sie brauchen oft weniger Anforderungen, nicht mehr. Das kann sein: Das Playdate absagen, den Schwimmkurs ausfallen lassen oder den Einkauf im Supermarkt verschieben.
Selbst ruhig zu bleiben: Kinder regulieren sich über uns, und wenn wir selbst im Stressmodus sind, überträgt sich das schnell, denn unser Nervensystem ist sowas wie das WLAN für das Nervensystem des Kindes.
Körperliche Regulation ermöglichen: Bewegung, Toben, Tanzen, Kissenboxen oder auch einfach draußen rennen hilft, angestaute Anspannung abzubauen. Für kleine Kinder kann auch Kuscheln, Schaukeln oder sanftes Wiegen beruhigend wirken.
Vorbild sein in Stressbewältigung: Zeig deinem Kind, wie du selbst mit Stress umgehst; tief durchatmen, kurz innehalten, deine Gefühle benennen. Kinder lernen viel durch Beobachtung.
Kleine Erlebnisse der Selbstwirksamkeit schaffen: Gib dem Kind einfache Aufgaben oder Entscheidungen, die es gut bewältigen kann, zum Beispiel beim Tischdecken helfen, das eigene Zimmer aufräumen oder zwischen zwei Spielen wählen. Das stärkt das Gefühl: „Ich kann etwas beeinflussen“ und reduziert Stress langfristig.
Mediennutzung und Bildschirmzeit reduzieren: Es gibt inzwischen zahlreiche Studien, darunter die der Landesvereinigung für Gesundheit und Akademie für Sozialmedizin Niedersachsen Bremen e. V., die belegen, dass viele Kinder und Jugendliche durch eine erhöhte Mediennutzung Stresssymptome (und andere Folgen) spüren. Feste Bildschirmzeiten und Beschränkungen können dem entgegenwirken. Was ebenfalls wichtig ist: die Vorbildfunktion als Eltern. Das Smartphone weniger in Gegenwart des Kindes benutzen und präsent(er) sein. Mehr Informationen zum Thema Mediennutzung findest du unter schau-hin.de
Stressabbau bei Kindern zwischen 3 bis 6 Jahren
Kinder in diesem Alter, die gerade mit vier Jahren in einer schwierigen Phase stecken, bauen Stress besonders gut über Bewegung und (freies) Spielen ab:
Hilfreich sind:
Bewegung und Spiel an frischer Luft
freies Spielen, gerne auch in der Natur
Toben
kreative Aktivitäten (z. B. Malen, Kneten, Basteln, Bügelperlen, etc.)
feste Rituale als Rahmen, wobei die Tagesstrukturen spontaner werden können
Kuscheln und Nähe
Stressabbau bei Kindern zwischen 6 und 10 Jahren
Neben den schon genannten Strategien zum Stressabbau bei Kindern, helfen diese Maßnahmen zur Selbstregulation:
Bewegung (vor allem in der Wackelzahnpubertät wichtig, da der Körperbau sich nochmal ändert)
kreative und nicht zu viele Hobbys, die vor allem Spaß bringen
ruhige Rückzugsorte
Gespräche über Gefühle: Unterstützend kann ein Achtsamkeits-Tagebuch wie „Ein gutes Gefühl“ sein, in dem Kinder ab 6 Jahren spielerisch ihre Emotionen kennenlernen und einordnen können.
Atemübungen oder kurze Entspannungsrituale
ausreichend freie Zeit und freies Spiel, gerne draußen
Kinder ab 11 Jahren und Jugendliche
Ältere Schulkinder und Jugendliche profitieren von:
Bewegung und Sport, weniger Bildschirmzeit und Social Media
ausreichend Schlaf (der oft chronisch zu kurz kommt)
Gespräche auf Augenhöhe
Eltern, die Vertrauen und Zutrauen schenken
Zeiten ohne Leistungsdruck
Möglichkeiten, Gefühle auszudrücken (Musik, Schreiben, Kreativität)
Es ist menschlich, sich vor dem Kind gestresst zu zeigen. Oft sind wir gestresst, weil unsere eigenen Grundbedürfnisse nicht erfüllt sind (wie z. B. Hunger, Durst oder eine volle Blase). Manchmal stresst uns eine Situation mit unserem Kind, etwa, wenn es morgens unter Zeitdruck unbedingt noch 5 Minuten zu Ende basteln will. In solchen akuten Stress-Momenten kann es helfen, sich Fragen zu stellen wie:
Wie schlimm ist es, wenn wir fünf Minuten später als geplant aus dem Haus kommen?
Was brauche ich gerade?
Was passiert, wenn ich jetzt einfach Ja statt Nein sage?
Langfristige Fragen, um Stressquellen zu ermitteln:
Woran merke ich körperlich und emotional, dass ich gestresst bin?
Woher kommt der Stress? Ist die Quelle das Kind, der Partner/die Partnerin, der Job, Mental Load oder eine Mischung?
Was stresst mich aktuell am meisten im Familienalltag?
Wann habe ich das letzte Mal etwas nur für mich getan?
Inwieweit konnte ich als Kind meine Gefühle zeigen und wurde mit mir über Gefühle gesprochen?
Was gibt mir Energie, was nimmt mir Energie?
Welche Gedanken/Glaubenssätze verstärken mein Stressgefühl? Z. B.: „Ich muss alles perfekt machen“, „Ich darf keine Hilfe annehmen“, „Andere schaffen das doch auch“, „Ich muss mich nicht so anstellen“, „Ich darf keine Fehler machen“
Atemübungen und Entspannungsspiele für Kinder (mit Schritt-für-Schritt-Anleitung)
Wir zeigen dir im Folgenden eine Atemübung und ein Entspannungsspiel für Kinder und erklären Schritt für Schritt, wie sie funktionieren.
Luftballon-Atemübung für Kinder
Schritt 1: Dein Kind legt die Hände auf den Bauch. („Lege deine Hände auf deinen Bauch“)
Schritt 2: Es stellt sich vor, dass es einen Luftballon aufpustet („Stelle dir vor, wie du im Bauch einen Luftballon aufpustest. Atme dafür tief ein.“)
Schritt 3: Nun lässt dein Kind die Luft langsam wieder raus („Atme langsam wieder aus, sodass der Ballon kleiner wird.“)
Weitere Atemübungen: Seifenblasen Pusten, Bären-Atem
Entspannungsspiel „Pizza backen“ für Kinder
Schritt 1: Dein Kind legt sich auf den Bauch, du backst eine Pizza auf seinem Rücken („Komm, wir backen eine Pizza auf deinem Rücken.“)
Schritt 2: Du knetest den Teig, indem du den Rücken sanft massierst („Ich knete nun den Teig.“)
Schritt 3: Jetzt folgen die Zutaten. Tomatenmark (Rücken mit der flachen Hand streichen), Paprika-Stücke verteilen (leichtes Tippen), Streukäse (mit den Fingerspitzen über den Rücken tippeln), etc.
Weitere Entspannungsspiele: Himmelsschaukel, Reise in den Körper
Wann professionelle Unterstützung sinnvoll ist – und warum
Als Elternteil begleitest du dein Kind oder deine Kinder jeden Tag mit viel Liebe, Geduld und Engagement. „Manchmal stoßen Familien trotz aller Bemühungen an ihre Grenzen und das ist völlig normal“, erklärt Julia Mensing. „Dann kann es sein, dass die Unterstützung innerhalb der Familie – sofern vorhanden – allein nicht mehr ausreicht.“ Spätestens dann könne es sehr entlastend sein, sich professionelle Begleitung zu holen.
„Wenn das Familienleben dauerhaft angespannt ist oder Eltern das Gefühl haben, sich nur noch im Kreis zu drehen und allein nicht mehr weiterzukommen, kann Unterstützung von außen hilfreich sein“, so die Familienberaterin aus Nordrhein-Westfalen, die auch Online-Beratungen anbietet.
Julia Mensing erlebt in ihren Familienberatungen häufig, wie entlastend ein Blick von außen auf das Familiensystem sein kann. „Eltern bringen so viele Kompetenzen und Ressourcen mit. Manchmal sind sie im Alltag nur schwer zu erkennen, weil alle Beteiligten mitten im Geschehen stecken.“ Gemeinsam schaue sie mit ihren Klient*innen darauf, was hinter dem Verhalten eines Kindes steckt, welche Bedürfnisse gerade vielleicht zu kurz kommen und welche kleinen Veränderungen im Alltag schon viel bewirken können.
Oft seien es tatsächlich nur ein paar kleine Stellschrauben, an denen gemeinsam gedreht werde: ein anderer Umgang mit stressigen Situationen, neue Perspektiven auf kindliches Verhalten oder kleine Veränderungen in Routinen und Kommunikation. „Schon diese kleinen Anpassungen können spürbar mehr Ruhe und Verbindung in den Familienalltag bringen – für Kinder genauso wie für ihre Eltern.“
An wen kann ich mich wenden, wenn ich mir Sorgen um mein Kind mache?
Neben ausgebildeten Familiencoach*innen, Familienberater*innen und Therapeut*innen, kannst du dich an folgende Anlaufstellen wenden:
Bundeskonferenz für Erziehungsberatung e. V. (Fachverband für Erziehungs-, Familien- und Jugendberatung)
Krisentelefonlisten des Familienportals des Bundesministeriums

Unsere Expertin
Julia Mensing ist ausgebildete Familiencoachin auf selbstständiger Basis und arbeitet nebenbei im Familienzentrum Vennmühle. Ihr Fokus ist die bindungs- und bedürfnisorientierte Erziehung mit Klarheit und Herz. "Bedürfnisorientiert heißt für mich nicht, dass immer alles harmonisch laufen muss – sondern dass wir versuchen, die echten Bedürfnisse hinter dem Verhalten zu verstehen. Von Kindern und genauso von uns Erwachsenen."
Mehr Informationen zu Julia und ihren Angeboten findest du unter: https://www.juliamensing.de/
Artikelbild und Social Media: blackCAT/iStock








