Neue Leitlinie: Warum du dein Baby 6 Monate stillen solltest
Die neue Still-Leitlinie empfiehlt: Babys sollten in den ersten 6 Monaten ausschließlich gestillt werden. Erfahre, warum das so wichtig ist – für dein Baby und für dich.
Bislang hieß es in Deutschland: Babys vier bis sechs Monate stillen – Beikost war also oft schon nach dem vollendeten 4. Lebensmonat erlaubt. Die neue Leitlinie der Arbeitsgemeinschaft der Wissenschaftlichen Medizinischen Fachgesellschaften (AWMF) empfiehlt nun: Babys sollten in den ersten sechs Monaten ausschließlich oder zumindest überwiegend gestillt werden.
Ausschließliches Stillen bedeutet: keine zusätzliche Flüssigkeit wie Wasser oder Tee, keine Flaschennahrung, keine Beikost. Ab dem 6. Monat kann dann langsam Beikost eingeführt und trotzdem weiter gestillt werden, am besten bis zum 1. Geburtstag.
Warum 6 Monate Vollstillen so wichtig sind
Vollstillen in den ersten sechs Monaten hat viele Vorteile für dein Baby: weniger Infektionen wie Mittelohrentzündungen und ein geringeres Risiko für chronische Erkrankungen wie Asthma. Außerdem stärkt es die Bindung zwischen Mutter und Kind.
Auch für dich als Mutter bringt Stillen Vorteile: Längeres Stillen kann das Risiko für Brustkrebs und Osteoporose senken und unterstützt die Rückbildung nach der Geburt.
„Stillen ist eine Grundlage, zu der dann weitere Faktoren hinzukommen – aber es ist nicht der einzige Faktor für spätere gesundheitliche Outcomes“, erklärt Regina Ensenauer, Koordinatorin der Leitlinie und Kinderernährungsmedizinerin gegenüber dem Deutschen Ärzteblatt.
Wie streng ist diese Leitlinie?
Keine Sorge: Die Empfehlungen sind kein Muss. Wenn du nicht stillen kannst oder möchtest – oder kürzer stillst – musst du dich nicht schlecht fühlen. Wichtig ist: Stillen sollte so lange stattfinden, wie Mutter und Kind es wollen, sei es zwei Wochen oder zwei Jahre.
Empfehlungen der WHO und anderer Länder
Die Weltgesundheitsorganisation (WHO) empfiehlt ebenfalls, sechs Monate ausschließlich zu stillen und danach bis zu zwei Jahre oder länger weiterzustillen. Die deutsche Leitlinie orientiert sich daran nur teilweise: Studien zur Stilldauer über 24 Monate seien noch zu lückenhaft.
In Europa gibt es unterschiedliche Empfehlungen: Während Italien und Norwegen sechs Monate exklusives Stillen empfehlen, starten Schweden und Österreich schon ab dem 4. Monat mit Beikost.
Du siehst, es gibt kein richtig oder falsch: Stillen ist individuell.
Tipps für den Stillalltag
Die Leitlinie liefert die wissenschaftliche Basis, im Alltag helfen kleine Tricks, damit das Stillen leichter fällt. Wenn du unsicher bei Stillpositionen bist, probiere verschiedene Techniken aus – so finden du und dein Baby die bequemste Lösung. Phasen wie Clusterfeeding, in denen dein Baby besonders oft trinken möchte, sind völlig normal. Manchmal werden die Brustwarzen wund – schnelle SOS-Tipps oder kleine Hilfsmittel wie Stillhütchen können hier helfen.
Gleichzeitig gilt: Mach dir keinen Druck! Stillen soll euch beiden guttun. Wenn es nötig ist, kannst du Milch abpumpen, Flasche geben und Pre-Nahrung nutzen, um den Alltag zu erleichtern. Wichtig ist: Stillen soll flexibel sein, so lange, wie Mutter und Kind es möchten, und dabei Freude statt Stress bringen.








